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AK UniWatch – Gegen Rassismus in unseren Räumen!

UniWatch ist ein studentischer Arbeitskreis, der sich gegen Rassismus an deutschen Universitäten engagiert. Mit diesem Blog wollen wir der Unsichtbarkeit dieses Themas entgegenwirken und bilden gleichzeitig eine Plattform zur Vernetzung von Betroffenen und anderen Personen, die rassistische Strukturen und Lehrinhalte im akademischen Raum nicht schweigend hinnehmen wollen.

Auf dieser Seite kannst du …

einen rassistischen Vorfall an deiner Universität melden.

zu uns Kontakt aufnehmen, wenn du bei einer Intervention unterstützt werden möchtest.

herausfinden, welche Anlauftstellen und Organisationen es noch gibt, die bei rassistischen Übergriffen beraten.

dich über Rassismus allgemein und speziell an der Uni, kritische Selbstpositionierung und vieles mehr informieren.

mehr über den AK UniWatch und unsere Arbeit erfahren.

herausfinden wie du uns unterstützen und/oder bei uns mitmachen kannst.

Literaturtipps zu den Themen Rassismus, (kritisches) Weißsein, etc., und Links, u.a. zu Organisationen, die gegen Rassismus kämpfen, finden.

uns per E-Mail kontaktieren, wenn du Anregungen, Fragen oder Wünsche hast.

GLOSSAR – Politische Selbstpositionierung

15. März 2016

Warum sind politische Selbstpositionierungen wichtig?

Die Kategorien People of Color, Schwarze und Weiße sind als Teil einer Sichtbarmachungs- und Benennungsstrategie von asymmetrischen Machtverhältnissen zu verstehen. Wir als AK UniWatch arbeiten mit diesen sozio-politischen Kategorien, da sie den Alltag jeder Person als Mitglied der (deutschen) Gesellschaft prägen. Mit diesem Konzept erheben wir keinen Anspruch auf universelle Deutungsmacht. Andere Selbstbezeichnungen von Personen (z.B. als ethnisch Minorisierte) wollen wir damit nicht ausschließen.

http://www.migrazine.at/artikel/glossar-der-politischen-selbstbezeichnungen

 

November 2015 – FU Berlin

5. Dezember 2015

Uni: FU Berlin

Studiengang: Romanistik

Kurs: –

Dozent_in: Professor der Sprachwissenschaft

*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): weiß

 

1. Darstellung des Vorfalles

Was ist passiert?

Der Professor hat in einer Vorlesung das N-Wort benutzt, um eine Sprache zu bezeichnen. Anschließend hat er gesagt, das N-Wort sei zwar heute sehr negativ konnotiert, wäre aber dennoch von ihm verwendbar, da es auch mal eine nicht negative Bedeutung hatte bzw. von bestimmten linguistischen Autoren in positiver Konnotation verwendet wurde.

Als ich ihn fragte, ob er nicht meinte, es könnte rassistisch-diskriminierend aufgefasst werden, antwortete er hierauf kurz und knapp: Nein.

Hast du dich dazu geäußert?

Ja, ich habe zunächst durch einen Wortbeitrag interveniert und nach der Vorlesung in einem Gespräch zwischen mir, dem Prof und zwei Kommiliton_innen meine Kritik ausführlich dagelegt. Während dieses Gespräches hat der Prof folgendes gemacht:

  • Mein Verhalten einer ‚Sprachstasi‘ gleichgesetzt.
  • Mir unterstellt, ich hätte keine Ahnung und solle ‚erstmal Literatur lesen‘.
  • Das N-Wort weitere Male gebraucht um seinen Standpunkt zu verdeutlichen.
  • Mich unter anderem als ‚Sophist‘ bezeichnet sowie mich mit anderen pejorativen Sprechhandlungen attackiert.

Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?

Der Professor meinte, er fühle sich zutiefst verletzt, trotzdem wolle er nicht vor irgendeiner Diskussion davon laufen.

Wie hast du dich dabei gefühlt?

Nicht ernst genommen und schlecht.

Was ist danach passiert?

Mir wurde erst zugesagt, zu Beginn der nächsten Vorlesung meinen Standpunkt darlegen zu können. Dies wurde mir dann ohne vorherige Absprache verwehrt. Stattdessen redete der Professor mit mir alleine und als ich meine Enttäuschung über sein Verhalten zum Ausdruck brachte, sagte er laut, es gehe ohnehin nur um ‚eine Kampagne mit dem Ziel ihn zu kompromittieren‘. Dann richtete er sich in etwa mit den Worten an das Auditorium der Vorlesung, dass er eigentlich ‚viel Spannendes und Tolles‘ für heute geplant habe, aber ein Kommilitone unbedingt noch seinen haltlosen Einwand in Bezug auf einen Vorfall, von dem ja wohl alle wüssten, vortragen wolle. Er bat stattdessen die Studierenden sich zu melden, wenn sie meinen Standpunkt hören wollten. Dann hat er folgendes getan:

  • Versucht, sprachwissenschaftlich den Vorwurf der rassistischen Sprechhandlung zu entkräften.
  • Sich gemeinsam mit einem anderen Kommilitonen über mich vor der gesamten Vorlesung lustig gemacht.

Gab es Zeug_innen, die dich unterstützt haben?

Die Mehrzahl der Anwesenden wirkte gelangweilt. Keine Unterstützung.

 

2. Konsequenzen des Vorfalles

Ist es zu einer Intervention gekommen?

Ich habe einen offenen Brief an die Beteiligten des Kurses geschickt.

Wie ist diese verlaufen?

Ich habe zum Teil positive Reaktionen erhalten.

 

 

Studentenwerk Vorfall August-September 2015

18. Oktober 2015
Hallo Studentenwerk,
 
wir sind UniWatch, eine Berlin-weite, anti-rassistische studentische Gruppe die gegen Rassismus an der Uni agiert. Wir intervenieren wenn es rassistische Vorfälle an der Uni gibt und dokumentieren die Vorfälle um diese (häufigen) Ereignisse sichtbar zu machen und um eine Veränderung des Status quo zu erreichen. Rassismus kommt nicht nur in Form von physischer Gewalt (z.B. Nazi-Angriffe) vor, sondern er manifestiert sich auch durch mentale und sprachliche Gewalt.
 
In weißen akademischen Räumen ist die angebliche Wissenschaftlichkeit und Objektivität das oberste Gesetz – alles wird im Namen der Akademie erlaubt. Rassistische, sexistische, ableistische und klassistische Sprache wird benutzt sofern sie „akademisch“ belegt wird und dieweiße Deutungsmacht dominiert: die weiße Akademie entscheidet was nutzbar ist und was nicht. Das führt zu einer Definitionsmacht und ist eine historische Strategie der Unterdrückung von marginalisierten Menschen und ein Zeichen für die hegemonialen Denkmuster der Universität. Sprache ist nicht getrennt von dieser Realität und fungiert als ein Repräsentationssystem (siehe Stuart Hall). Die Wiederholung von rassistischen Wörtern wie „Schwarzarbeit“ führt zu einer Naturalisierung und Normalisierung dieses Wortes, die Reproduktion wirkt wie eine Legitimation. 
 
Wir wurden darüber informiert, dass Sie den Spruch „Stelle statt Schwarzarbeit“ auf Ihren Jobvermittlungsseite benutzen. Wir wissen auch, dass Sie beschlossen haben diesen arg rassistischen (und allgegenwärtigen) Spruch nicht zu entfernen nachdem eine Studierende Ihnen die diskriminierenden historischen und politischen Wurzeln dieses Wortes erklärt hat. Wir wollten Sie ermutigen das Wort zu ersetzen (zum Beispiel mit „Stelle statt illegaler Arbeit“ oder „Stelle statt prekärer Arbeit“), da das von Ihnen verwendete Wort viele schlechte Konnotationen hat. Wenn Sie es nicht machen wollen, fordern wir Sie auf zu erklären warum Sie diese Entscheidung getroffen haben. Wir haben vor den Email-Verkehr auf unserem Blog zu veröffentlichen.  
 
Es grüßt,
 
AK UniWatch

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Hier die Emailverkehr zwischen die meldende Person und das Studentenwerk:

 

—-Ursprüngliche Nachricht—–

Gesendet: Dienstag, 4. August 2015 15:44

An: Infopoint

Betreff: Hinweis „Schwarzarbeit“

Sehr geehrte Damen und Herren,
auf Ihrer Jobvermittlungsseite befindet sich der Titel „Stelle statt
Schwarzarbeit“. Ich möchte Sie bitten, diese Formulierung zu ändern, da
sie nicht rassismusfrei ist. Nachzulesen gerne unter folgendem Link:

http://www.panafrikanismusforum.net/rassistischen-begriff-schwarzfahren.html

Ein Auszug aus dem Text des genannten Links (zuletzt abgerufen 4.8.15, 15:34 Uhr):
[…]

„Der Begriff „Schwarzfahrer“ als Bezeichnung für unehrliche oder in finanziellen Nöten befindliche Fahrgäste hat keine neutrale Bedeutung, sondern wurzelt in einer über Jahrhunderte tradierten christlich-mythisch konnotierten europäischen Farbsymbolik, die diesen binär gesetzten Farben wiederum bestimmte binäre Eigenschaften zuschreibt und hat von daher – wie viele Begriffe und Konzepte der deutschen Sprache – einen rassistisch konnotierten, ideologischen Hintergrund.

„Schwarzsein“ bzw. „Weißsein“ als jeweils soziale/politische Positionierung (da es erwiesenermaßen keine „Rassen“ gibt, sondern diese eine Erfindung von europäischen „Rassentheoretikern“ ab dem 18.Jh waren) ist ein sehr komplexes Thema. (s. hierzu Studien aus der kritischen Weißseinsforschung)
Durch die rassifizierende Differenzierung und Kategorisierung der Menschheit im Rahmen der vermeintlich wissenschaftlichen „Rassentheorien“, wurden die menschenverachtenden Praktiken des Jahrhunderte währenden transatlantischen Versklavungshandels und die Gewalt des  Kolonialismus  legitimiert. Millionen von Afrikaner_innen fielen diesen Verbrechen zum Opfer.

„Schwarzsein“ bzw. „Schwarze_r zu sein“ ist und war keine Selbst-Bezeichnung der Afrikaner_innen, sondern stellen von außen aufoktroyierte Begrifflichkeiten in Abgrenzung zum eigenen konstruierten Weißsein dar.

Schwarz als Farbempfindung, die beim Fehlen eines Farbreizes entsteht, also als Abwesenheit von Licht jeglicher Wellenlänge, ist mit seinen zahlreichen negativen Bedeutungszusammenhängen wie  z.B.“Schwarzfahren“, Schwarzarbeit, schwarz sehen, schwarzer Peter, “ etc. assoziativ an das Bild von Afrikaner_innen und Menschen afrikanischer Abstammung gekoppelt.“ […]

Über eine Rückmeldung, ob Sie die Änderung vorgenommen haben, freue ich mich. Ich behalten mir vor den Schriftwechsel zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau X

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Am 21.08.2015 um 14:02 schrieb Herr X:
Sehr geehrte Frau X,

vielen Dank für Ihre E-Mail zum Thema „Schwarzarbeit“.

Bei der Verwendung des Begriffes „Schwarzarbeit“ beziehen wir uns auf die Begriffserklärung, die unter Wikipedia mit Bezug auf das Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache zu finden ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzarbeit

Mit freundlichen Grüßen

Herr X

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Sehr geehrter Herr X,

dass Sie sich auf wikipedia bzw. das etymologische Wörterbuch beziehen
mag ja sein, aber ich möchte auch keine Wörter die z.B. im Duden oder
eben auf wikipedia stehen benutzen (und wikipedia unhinterfragt zu
nutzen wird heute schon in der Schule nicht akzeptiert, so weit ich
weiß), wenn sie rassistisch konnotiert sind. Möchten Sie sich damit
nicht auseinandersetzen?

Mit freundlichen Grüßen,
Frau X

Bitte um Unterstützung

22. Mai 2015
Wir suchen eine_n Unterstützer_in für eine Internet-Recherchearbeit bei einer konkreten Anfrage. Der AK Uniwatch hat leider momentan zu wenig Ressourcen dafür. Wenn ihr dafür Zeit habt, meldet euch!

Rassismus, Sexismus, Militarismus? Münkler-Watch an der HU

19. Mai 2015

Warum Münkler-Watch? Eine Aktions-Beschreibung

Der Professor für „Theorie der Politik“ am humboldt’schen Institut für Sozialwissenschaften in Berlin ist eine kontroverse Figur für Studierende. In wöchentlichen Abständen veröffentlichen sie kurze Zusammenfassungen seiner Vorlesung „Politische Theorie und Ideengeschichte“. Danach folgt stets ein kritischer Kommentar frei gewählter Versatzstücke aus der Vorlesung – oft mit weiterführenden Lesetipps und einer Einbettung in Münklers sonstige Tätigkeit für Militär, Politik und Medien.

Infos hier


Community Statement: “Black” Studies an der Universität Bremen/ “Black” Studies at the University of Bremen

10. Februar 2015

Lest hier das Community-Statement des Present_Tense Scholars Network: Black Perspectives and Studies Germany / Read here the Community-Statement of the Present_Tense Scholars Network: Black Perspectives and Studies Germany:

Community-Statement auf deutsch

Community-Statement in english

Lest hier Reaktion der „Black“ Knowledges Research Group Bremen / Read here the reaction of the „Black“ Knowledges Research Group Bremen:

http://www.bbs.uni-bremen.de/

Reaktion auf die Antworten auf das Statement zum rassistischen Vorfall an der HU Berlin am 16.05.2014

21. Januar 2015
Info vorab: Die Antwort des ZtG bzw. die Antworten von einzelnen Mitgliedern des ZtG auf die sich die hier veröffentliche „Antwort an das ZtG“ bezieht, finden sich in voller Länge hier:

Stellungnahme ZtG
Einzelne Stellungnahmen von Mitgliedern des ZtG

Antwort an das ZtG

Wir danken dem ZtG für die Beschäftigung mit unserem Statement und die Antwort darauf. Wir möchten an dieser Stelle jedoch auch noch einmal ausdrücklich festhalten, dass das ZtG sich aktiv und äußerst aggressiv geweigert hat, unser Statement über den öffentlichen Verteiler des ZtG bekannt zu machen, bzw. das Statement auch nur innerhalb des ZtG an alle Mitglieder des ZtG weiterzuleiten, bevor das ZtG selbst seine Antwort veröffentlicht hatte (siehe auch das Statement von AK UniWatch zur GK des ZtG am 24.11.2014: https://akuniwatch.wordpress.com/2014/11/29/statement-zur-gk-des-ztg-am-24-11-2014/). Ein verantwortungsbewusster und redlicher Umgang mit öffentlicher Kritik an einer Institution schließt auch ein, diese Kritik allen mit der Institution verbundenen bzw. an ihr interessierten Menschen umgehend zugänglich zu machen. Es geht nicht darum, dass eine kleine Gruppe innerhalb der Institution möglichst schnell ein Verteidigungsschreiben verfasst und „den Schaden begrenzt“, sondern dass eine möglichst breite Auseinandersetzung, Verantwortungsübernahme und Veränderung zum Positiven hin stattfindet und überhaupt erst ermöglicht wird. Das kann nicht passieren, wenn die Bekanntmachung der Kritik  von den für die interne und externe Kommunikation verantwortlichen Menschen mit allen Mitteln verhindert wird. Dies können wir nur als einen weißen, feigen Abwehrmechanismus deuten und als solchen behandeln. Im Folgenden gehen wir auf die Punkte in Ihrem Antwortschreiben ein, die wir besonders problematisch finden. Zum besseren Verständnis reproduzieren wir Ihre Punkte noch einmal kursiv und antworten dann direkt darauf.

1. Das ZtG bedauert und erkennt an, dass es für einige von alltäglichem und strukturellem Rassismus betroffene Personen als verletzend empfunden wurde, wie auf einem der Panels über Rassismus gesprochen wurde.

Zu 1) Das Problem liegt in der strukturell rassistischen Situation, dass weiße sich darüber austauschen, wie Schwarze, PoC und Rroma gegen Rassismus vorgehen (sollen). Es liegt auch in den konkreten rassistischen Vorfällen, zu denen es in dieser Situation gekommen ist. Es liegt jedoch nicht darin, wie anwesende Schwarze, PoC und Rroma diese Situation „empfunden“ haben. Rassismuskritik als „persönliches Verletzt-Sein“ zu delegitimisieren ist selbst eine ausgesprochen rassistische Abwehrstrategie. Die Analyse und Kritik von PoC wird so plötzlich zur „bloßen Empfindung“ und damit massiv abgewertet. Auf dem Kolloquium wurde tatsächlich Rassismus ausgeübt – das haben wir nicht nur „so empfunden“. Es wäre deshalb gut, wenn Sie nicht unsere „Empfindungen“, sondern Ihre strukturelle und persönliche Rassismusausübung bedauern und anerkennen würden.

2. Das ZtG möchte die Auseinandersetzung über die Fragen einer angemessenen Rassismuskritik fördern und auch künftig den Raum schaffen, sich über verschiedene Formen des Antirassismus auseinanderzusetzen. Insofern stellt sich die Frage, wie dies geschehen kann.

Zu 2) Wir sind nicht an „den Fragen einer angemessenen Rassismuskritik“ interessiert. Wer bestimmt, welche Rassismuskritik „angemessen“ ist? Weiße? Menschen, die wie die überwältigende Mehrheit von Ihnen, von Rassismus profitieren und ihn selbst ausüben (z.B. auch mit Ihrem Schreiben, auf das wir hier antworten)? Wir sind stattdessen an Fragen einer effizienten Rassismusbekämpfung interessiert. Und es geht tatsächlich weniger darum, sich mit der Bekämpfung von Rassismus „auseinanderzusetzen“, sondern darum, sie umzusetzen und konkret und spürbar zum Abbau von Rassismus auf allen Ebenen beizutragen.

3. Das ZtG verweist darauf, dass die genannten Verletzungen auf bestimmten Interpretationen von Rede- und Diskussionsbeiträgen beruhen. Wir verweisen für die Details auf die ausführlichen Stellungnahmen und die unterschiedlichen Sichtweisen der angegriffenen Wissenschaftler_innen, bei denen es sich um seit Jahren in der antirassistischen Forschung ausgewiesene Personen handelt.

Zu 3.1) Wollen Sie ernsthaft behaupten, dass die performative Wiederholung der Entmenschlichung Schwarzer Menschen, die Verwendung des N-Wortes innerhalb und außerhalb von Zitaten, das Übergehen und Verschweigen von Kritik, das demonstrative Ausüben von weißer Solidarität in Wirklichkeit gar nicht rassistisch waren, sondern das nur unsere „Interpretation“ ist? Oder geht es am Ende wieder nur um unsere angeblich verletzten „Gefühle“ und nicht um den von Ihnen tatsächlich ausgeübten Rassismus? Was für eine Meisterleistung der weißen Verantwortungsabwehr für Vorfälle, die vor zahlreichen Zeug_innen tatsächlich so geschehen sind! Wir verweisen dafür auf unser Statement, sowie auf unsere Antworten an Sabine Broeck und Ina Kerner. Wir möchten an dieser Stelle auch noch einmal ausdrücklich erwähnen, dass Sie bis heute nur Ihr eigenes Verteidigungs-/Abwehr-Schreiben sowie die von Sabine Broeck und Ina Kerner veröffentlich haben und sich seit dem 10.12.2014 weigern, unsere Antworten darauf ebenfalls zu veröffentlichen.

Zu 3.2) Sabine Broeck und Ina Kerner haben uns durch ihr Verhalten rassistisch angegriffen. Unsere Kritik an ihrem Verhalten ist kein Angriff. Bitte hören Sie auf, aus Täter_innen Opfer zu machen!

Zu 3.3) Wer genau hat denn Sabine Broeck und Ina Kerner als Expert_innen antirassistischer Forschung ausgewiesen? Der zutiefst rassistische, kolonialistische, und von weißen dominierte Wissenschaftsapparat? Dieser Ausweis ihrer Expertise ist in unseren Augen leider nur sehr wenig wert.  Und selbst wenn Sabine Broeck und Ina Kerner seit Jahren erfolgreich gegen Rassismus arbeiten würden, so schützt sie das ja ganz offensichtlich nicht davor, sich in konkreten Situationen trotzdem rassistisch zu verhalten – und dies dann noch nicht mal zuzugeben, sondern selbst im Nachhinein noch zu leugnen.

4. Dass die Meinungen darüber, was angemessene anti-rassistische wissenschaftliche Praxis ist, auseinander gehen, ist zunächst etwas Begrüßenswertes und gehört zu jeder wissenschaftlichen Veranstaltung dazu. Insofern ist es uns wichtig, dass verschiedene Positionen und Herangehensweisen auch in Bezug auf Fragen des Antirassismus künftig in einer respektvollen Form diskutiert und gegeneinander abgewogen werden können.

Zu 4) Für uns ist es nicht begrüßenswert, wenn die in Ihren Augen „angemessene antirassistische wissenschaftliche Praxis“ offensichtlich auch die Ausübung von Rassismus sowie deren Verteidigung einschließt. Die Kritik an Rassismus ist keine Meinung unter vielen anderen, gleichermaßen berechtigten Meinungen! Was rassistisch ist, entscheiden diejenigen, die von Rassismus betroffen sind, nicht diejenigen, die Rassismus ausüben. Ebensowenig wie Sie als weiße definieren können, was Rassismus ist, können Sie bestimmen, in welcher Form und in welchem Ton Kritik an dem von Ihnen ausgeübten Rassismus vorgebracht wird. Stattdessen sollten Sie dafür dankbar sein, dass es Menschen gibt, die sich die Mühe machen, sie darauf hinzuweisen. Kritik zu diskreditieren, weil sie in Ihren Augen nicht „respektvoll“ oder „ausgewogen“ genug ist, ist eine weit verbreitete weiße Abwehrstrategie, die als „tone policing“ bezeichnet wird. Ihnen als „ausgewiesenen Antirassismus-Expert_innen“ sollte das eigentlich bekannt sein.

5. Dabei ist ausdrücklich darauf zu achten, dass keine rassistischen Sprechweisen verwendet werden, die epistemische Gewalt reproduzieren. Die Frage, wie genau mit Zitaten umzugehen ist, die rassistische Äußerungen aus der Vergangenheit in kritischer Absicht benennen, ist dabei ein zentraler Punkt der gegenwärtigen Auseinandersetzungen. Wir schließen uns der Meinung der anonymen Kritiker_innen an, dass grundsätzlich möglichst sparsam mit solchen rassistischen Zitaten umzugehen ist. Auch ist es grundsätzlich wichtig zu berücksichtigen, in welchem Kontext das Zitat ausgesprochen wird, wie auch die Kritiker_innen selbst es formulieren. Daher scheint uns mit einem Vortrag, der in dem ausdrücklichen Verlangen, Kritik an Rassismus zu üben, vorgetragen wird, ein Kontext gegeben zu sein, der es an sich erlaubt, historische Zitate zu benennen. Die Frage, ob das Maß des Erträglichen dem analytisch Notwendigen entspricht, ist dabei allerdings zu berücksichtigen. Denkbar ist, dass eine Triggerwarnung vorab ausgesprochen wird, damit Personen, die sich möglicherweise verletzt fühlen, den Raum verlassen können. Allerdings wäre es bedauerlich, wenn wichtige wissenschaftliche Auseinandersetzungen verhindert werden, falls nach solchen Warnungen viele Anwesende den Raum verlassen, die eigentlich relevante Beiträge zu bestimmten Inhalten leisten könnten.

Zu 5.1) Wir begrüßen sehr, dass das ZtG dazu auffordert, „keine rassistischen Sprechweisen [zu] verwende[n], die epistemische Gewalt reproduzieren“ und „grundsätzlich möglichst sparsam mit solchen rassistischen Zitaten umzugehen“. Das sind gute Grundsätze antirassistischer, wissenschaftlicher Arbeit. Gerade deshalb können wir nicht nachvollziehen, dass Sie sich hartnäckig weigern, anzuerkennen und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Sabine Broeck das N-Wort außerhalb von Zitaten und in ihren eigenen Worten verwendet hat. Sie selbst bestätigte auf Nachfrage, dass das N-Wort nicht in ihrem Manuskript stand und von ihr spontan in ihrem Vortrag verwendet wurde. Dies geschah zudem vor Dutzenden von Zeug_innen. Das ist ja wohl keine „Benennung eines historischen Zitats in kritischer Absicht“, so wie es Sie hier unter Verdrehung der Tatsachen darzustellen versuchen.

Zu 5.2) Es freut uns auch, dass Sie sich grundsätzlich für die Verwendung von Triggerwarnungen aussprechen. Wir möchten jedoch Folgendes klarstellen: Wenn Menschen, die negativ von Rassismus betroffen sind, sich entscheiden, an einem Gespräch nicht teilzunehmen, in dem zu analytischen Zwecken rassistische Gewalt reproduziert wird, so wird damit die wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht verhindert. Wenn weiße bedauern, dass Schwarze, PoC und Rroma den Raum verlassen, obwohl sie „eigentlich relevante Beiträge zu bestimmten Inhalten leisten könnten“, dann fordern sie damit im Klartext, dass Schwarze, Rroma und PoC sich freiwillig rassistischer Gewalt aussetzen sollen, um dann zum Lernfortschritt von weißen beizutragen. Wer lernt in dieser Vorstellung auf Kosten von wem? Wenn weiße die in der Tat sehr relevanten Beiträge von Schwarzen, PoC und Rroma hören möchten, dann müssen sie dafür Räume schaffen, in denen die Ausübung rassistischer Gewalt explizit nicht toleriert wird – auch nicht „zu analytischen Zwecken“. Entweder Sie sind in der Lage, antirassistische Veranstaltungen so zu organisieren, dass von Rassismus negativ betroffene Menschen gefahrlos daran teilnehmen können, oder Sie geben sich und ihr angebliches antirassistisches Engagement der Lächerlichkeit preis.

6. Zugleich verwahren wir uns dagegen, dass rassistische Zitate, die von als weiß markierten Personen in analytisch-kritischer Absicht vorgetragen oder verwendet werden, grundsätzlich als epistemische Gewalt und als Rassismus verstanden werden. Aus unserer Sicht sollte es möglich sein, historische Zitate rassistischen Inhalts mündlich und schriftlich wiederzugeben, wenn damit das ausdrückliche und klare Ziel verfolgt wird, diese kritisch zu analysieren. Es war das Ziel aller Anwesenden, Kritik an rassistischen Strukturen zu üben. Dieses verbindende Element sollte bei aller notwendigen Kritik, die wir untereinander und aneinander üben, nicht aus dem Auge verloren werden. Es ist aus unserer Sicht nicht zielführend, bevorzugt dort diese scharfe Form der öffentlichen und anonymen Kritik zu üben, wo es um eine ausdrückliche Unterstützung von antirassistischen Anliegen, Forschungen und Zielen geht.

Zu 6.1) Wir haben nie behauptet, „dass rassistische Zitate, die von [weißen] in analytisch-kritischer Absicht vorgetragen oder verwendet werden, grundsätzlich als epistemische Gewalt und als Rassismus“ zu verstehen seien. Das ist ein absichtliches Missverstehen unseres Statements. Wir haben vielmehr die folgenden präzisen Forderungen gestellt, denen sich das ZtG unter Punkt 5 seiner Antwort auch prinzipiell angeschlossen hat (siehe oben):

„Wir fordern eine Beschränkung der Verwendung rassistischer und kolonialistischer Sprache und Bilder auf das für wissenschaftliche Analyse und Kritik absolut notwendige Maß.
Wir fordern vor der Verwendung rassistischer und kolonialistischer Sprache und Bilder explizit darauf hinzuweisen, dass diese verwendet werden.“

Zu 6.2) Weiße sind nicht als weiße „markiert“. Markiert werden die Menschen, die rassifiziert und dadurch zu „Anderen“ gemacht werden, und denen durch diese Markierung massive Nachteile entstehen. Ganz besonders deutlich wurde diese Markierung, als Jüd_innen und Rroma im Dritten Reich buchstäblich körperlich markiert wurden. Weiße sind als weiße innerhalb einer rassistischen Hierarchie positioniert, sie werden als weiße gelesen, aber sie sind innerhalb dieser rassistischen Hierarchie gerade nicht markiert. Menschen, die negativ von Rassismus betroffen sind, haben überhaupt nicht die Macht, weiße zu markieren. Nicht markiert zu sein, aber die Macht zu haben, andere zu markieren, ist Teil weißer Privilegien und rassistischer Gewaltausübung. Wir fordern Sie noch einmal nachdrücklich dazu auf, damit aufzuhören, rassistische Herrschaftsverhältnisse so zu verdrehen, dass es am Ende so erscheint, dass Sie selbst, bzw. weiße im Allgemeinen, Opfer rassistischer Markierungspraxen sind. Rassistische Herrschaftsverhältnisse lassen sich nicht beliebig umdrehen. Wir möchten Sie daran erinnern, dass Weiße Profiteur_innen und Ausübende von Rassismus sind, nicht Opfer.

Zu 6.3) Wir würden sehr gerne mit Ihnen gemeinsam rassistische Strukturen abbauen. Nur aus diesem Grund machen wir uns überhaupt die Mühe, Ihnen so ausführlich zu erklären, an welchen Stellen Ihr Verhalten dieser gemeinsamen Arbeit entgegensteht. Es ist Ihre Re_Produktion von Rassismus, die das „verbindende Element“ zwischen uns zerstört – nicht unsere Kritik daran. Es ist auch nicht an Ihnen, zu entscheiden, wo und auf welche Weise unsere Kritik am zielführendsten ist. Ganz offensichtlich hat die auf dem Kolloquium selbst bereits geäußerte Kritik ja nicht zu dem Ziel geführt, dass Sabine Broeck, Ina Kerner und/oder das ZtG von sich aus Verantwortung für die Vorfälle auf dem Kolloquium übernommen hätten und Vorschläge gemacht hätten, wie solche Situationen in Zukunft vermieden werden können. Sie hatten dafür ja immerhin ein halbes Jahr lang Zeit.

Zu 6.4) Bitte hören Sie auf, Ihre angeblichen antirassistischen Bemühungen dafür zu benutzen, sich als über jede Kritik erhaben darzustellen. Bisher erleben wir Ihr Verhalten als ausgesprochen und offen rassistisch. Das ist alles andere als eine „Unterstützung von antirassistischen Anliegen, Forschungen und Zielen“. Ihr rassistisches Verhalten ist öffentlich bekannt und wird von Ihnen ja auch immer wieder aufs Neue unter Beweis gestellt (wie z.B. in der GK-Sitzung am 14.11.2014 sowie in dem Schreiben, auf das wir gerade antworten). Selbstverständlich ist Ihr Verhalten deshalb Gegenstand unserer Kritik. Was zählt, ist, dass Sie sich immer wieder rassistisch verhalten, nicht ob andere Menschen sich in Ihren Augen womöglich „noch rassistischer“ verhalten.

7. Daher möchten wir unsererseits kritisch anmerken: Die Diffamierung von namentlich genannten Wissenschaftler_innen im Netz durch anonyme Autor_innen finden wir grundsätzlich problematisch; wir halten dieses Vorgehen für wissenschaftlich und menschlich unredlich und dem gemeinsamen Anliegen keinesfalls dienlich.

Zu 7.1) Jemanden zu „diffamieren“, bedeutet jemanden zu verleumden, (falsche) Gerüchte über jemanden zu verbreiten. Wir haben nichts dergleichen getan. Wir haben lediglich das, was auf einer öffentlichen Veranstaltung geschehen ist, einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Wahrheit zu sagen ist keine Diffamierung. Rassismus auszuüben und das dann auch noch zu leugnen und zu verteidigen finden wir indes „menschlich unredlich und dem gemeinsamen Anliegen keinesfalls dienlich“.

Zu 7.2) Es scheint Sie sehr zu stören, dass wir diese Auseinandersetzung anonym führen. Dazu ist zu sagen, dass wir im Gegensatz zu vielen von Ihnen keine auf Lebenszeit garantierten festen Stellen haben. Darüber hinaus haben Sie als Angestellte und Lehrende der Gender Studies ganz konkret Macht über einige von uns. Wir haben oft genug erlebt, dass Studierende, die Kritik an Lehrenden üben, daraufhin fortgesetzter Gewaltausübung ausgesetzt sind. Dem können und wollen wir uns nicht aussetzen. Diese Auseinandersetzung findet nicht auf Augenhöhe statt. Sie haben in vielerlei Hinsicht deutlich mehr Macht als wir. Ganz nebenbei bemerkt sind auch die Verfasser_innen der Antwort des ZtG anonym geblieben – was aus Ihrer gesicherten Machtposition heraus einfach nur lächerlich ist. Wer von Ihnen hat denn tatsächlich an Ihrer Antwort gearbeitet? Wer hat der Antwort zugestimmt? Wer hat sie vor der Veröffentlichung überhaupt noch nie zu Gesicht bekommen?

8. Dabei ist es für uns selbstverständlich, dass nicht überwiegend weiße über von Rassismus Betroffene sprechen, sondern diese selbst angemessen, d.h. in möglichst großer Zahl vertreten sein sollten. Das Kolloquium hat dies in seiner Konzeption umgesetzt, indem es in der Vorbereitung das Anliegen der Organisator_innen war, Referent_innen, Kommentator_innen und Moderator_innen nach intersektionalen und dem Thema adäquaten Kriterien zu gewinnen: es sollten weiße, Schwarze, PoC, etablierte und Nachwuchswissenschaftler_innen, institutionell verankerte Wissenschaftler_innen und Freelancer, solche mit gesicherten Stellen und prekarisiert Arbeitende vertreten sein. So hatten wir neben Maisha Maureen Eggers, Manuela Boatca und Encarnacion Gutiérrez Rodríguez auch Nana Adusei-Poku und Gülay Caglar gewonnen. Auf dem Panel „Universität und Wissenschaft als Orte epistemischen Ungehorsams?“ waren ursprünglich Beiträge von Encarnacion Gutiérrez Rodríguez und Nana Adusei-Poku geplant. Leider haben diese beiden und auch Gülay Caglar ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt. Wir waren daher Sabine Broeck und Ina Kerner dankbar, dass sie bereit waren, ihre Beiträge und Kommentare umzuorganisieren und dass wir dieses für uns wichtige Panel nicht absagen mussten. Ein Teil der PoC-Teilnehmer_innen und auch Maisha Eggers nahmen nur am Vormittag an dem ZtG-Kolloquium teil, um anschließend das vom Referent_innenrat der HU vom 16.-18.5. veranstaltete Seminar zu „Rassismus im deutschen Bildungssystem“ zu besuchen bzw. hier zu referieren. Damit waren leider PoC-Perspektiven weniger in der Diskussion präsent.

Zu 8.1) Bitte unterlassen Sie die peinliche und rassistische Aufzählung von Referent_innen, Kommentator_innen und Moderator_innen, die Sie offensichtlich als nicht weiß lesen. Wissen Sie überhaupt, ob diese Zuschreibung tatsächlich der Selbstpositionierung der  genannten Personen entspricht? Haben Sie sie gefragt, ob es ihnen Recht ist, noch in ihrer Abwesenheit von Ihnen auf diese Weise als Aushängeschilder der antirassistischen Bemühungen des ZtG vereinnahmt und instrumentalisiert zu werden? Was Sie hier machen, ist Tokenizing. Wenn das ohne das Wissen und ausdrückliche Einverständnis der genannten Personen geschehen ist, dann wäre das wirklich ein erbärmliches Armutszeugnis für den Stand der Auseinandersetzung mit Rassismus am ZtG.

Zu 8.2) Sie schreiben, dass es Ihnen wichtig war, Schwarze und PoC als „Referent_innen, Kommentator_innen und Moderator_innen“ zu gewinnen. Wir fragen: Warum waren Schwarze und PoC nicht an der Organisation des Kolloquiums beteiligt? Es geht nicht darum, dass Schwarze, Rroma und PoC in von weißen gestalteten Räumen „auch mal zu Wort kommen dürfen“, sondern es geht darum, dass sie diese Räume maßgeblich (mit)gestalten.

Zu 8.3) Wir fragen auch: Warum hat das Kolloquium überhaupt zeitgleich mit der Konferenz „Rassismus im deutschen Bildungssystem“ stattgefunden? Wie kam es zu diesem Konkurrenz-Termin?

Zu 8.4) Wenn es für Sie tatsächlich „selbstverständlich [wäre], dass nicht überwiegend weiße über von Rassismus Betroffene sprechen“, dann müsste es für Sie eigentlich auch selbstverständlich sein, ein Panel, bei dem sich trotz anderer Planung am Ende herauskristallisiert, dass doch wieder nur weiße sprechen werden, ausfallen zu lassen. Was genau war Ihnen denn an diesem ausschließlich weißen Panel so unglaublich wichtig, dass das Absagen nicht mal in Frage gekommen ist?

9. Angesichts der kritischen Situation, in der sich die Gender Studies im Allgemeinen und die antirassistische Forschung im Besonderen an deutschen Universitäten derzeit befinden, ist es uns ein zentrales Anliegen, trotz aller bestehenden inhaltlichen Divergenzen und Positionierungen, das Verbindende zwischen denjenigen zu betonen, die zumindest versuchen, sich für antirassistische Themen und Veränderungen stark zu machen. Ohne Solidarisierung wird es schwer sein, antirassistischen Anliegen mehr Gehör zu verschaffen und universitäre Strukturen weiter dafür zu öffnen.
 

Zu 9) Auch uns liegen die Gender Studies und insbesondere antirassistische und dekoloniale Wissenschaft sehr am Herzen. Nur deshalb sind wir überhaupt in diesen Dialog mit Ihnen eingetreten. Aber Sie können ja wohl nicht im Ernst von uns erwarten, dass wir mit Ihnen „solidarisch“ sind, solange Sie die Verwendung des N-Wortes in Ihren Räumen tolerieren und verteidigen. Die Vorfälle auf dem Kolloquium sowie Ihr bisherige Umgang mit unserer Kritik lassen erschreckende Defizite im Umgang mit Rassismus auf Ihrer Seite erkennen. Solange Sie nicht in der Lage sind, wenigstens minimale Grundstandards antirassistischer Zusammenarbeit einzuhalten, können wir leider nicht mit Ihnen zusammenarbeiten. Das ist zwar sehr bedauerlich, aber auch wiederum nicht sehr verwunderlich, da die universitären Räume, die es zu verteidigen gilt, ja noch nie „unsere“ waren, sondern immer schon „Ihre“. Nebenbei bemerkt sind es üblicherweise diejenigen, die von Unterdrückungssystemen profitieren, die sich solidarisch mit den Unterdrückten zeigen – nicht umgekehrt. Von daher ist es geradezu absurd, dass ausgerechnet Sie als ganz überwiegend weiße Gruppe, PoC dazu auffordern, sich mit Ihnen zu solidarisieren.

10. Wir gehen davon aus und es ist uns wichtig hervorzuheben, dass rassistische Differenzzuschreibungen, die an körperlichen und/oder kulturellen Merkmalen festgemacht werden, nicht automatisch identisch sind mit politischen Positionierungen, die jemand einnimmt. Es ist in unseren Augen wichtig, zwischen gesellschaftlicher Zuschreibung, Identitätsentwurf und politischer Positionierung zu unterscheiden, um Bündnisse über rassistisch markierte Grenzziehungen hinweg schließen zu können. Und gleichzeitig ist es aus unserer Sicht ebenso notwendig, die gesellschaftlichen Markierungen zutiefst ernst zu nehmen, die uns in sehr unterschiedlicher Weise von Diskriminierung betroffen bzw. durch Privilegierung bevorzugt sein lassen.

Zu 10.1) Was genau meinen Sie denn mit „rassistische[n] Differenzzuschreibungen, die an körperlichen und/oder kulturellen Merkmalen festgemacht werden“ im Kontext unseres Statements? Da wir in unserem Statement niemandem zugeschrieben haben, sich als Schwarz, PoC oder Rroma zu positionieren (Das haben Sie in Ihrer Antwort getan – siehe Punkt 8.), können Sie damit eigentlich nur die Tatsache meinen, dass wir die weiße Positionierung der an den Vorfällen beteiligten Personen explizit benannt haben. Das ist jedoch ganz entschieden keine „rassistische Differenzzuschreibung“, sondern die Benennung einer strukturellen Machtposition. Sollten Sie der Meinung sein, dass es sich bei der Benennung weißer Positionierungen um „rassistische Differenzzuschreibungen“ handelt, dann müssen wir Ihnen leider sagen, dass es keinen Rassismus gegen weiße gibt. Als „in der antirassistischen Forschung ausgewiesene Forscher_innen“ sollten Sie wirklich wissen, dass Reverse Racism nicht existiert.

Zu 10.2) Es wird Sie sicher freuen zu hören, dass wir stets zwischen „gesellschaftlicher Zuschreibung, Identitätsentwurf und politischer Positionierung“ unterscheiden. Auch in unserer Gruppe arbeiten weiße mit. Das Problem ist nicht (nur), dass fast alle Mitglieder des ZtG weiß sind, sondern (vor allem) dass so viele Mitglieder des ZtG Rassismus re_produzieren. Wenn aus den Lippenbekenntnissen des ZtG endlich konkrete Taten folgen würden, um Rassismus sowohl strukturell als auch im eigenen Verhalten abzubauen, dann würden auch mehr Schwarze, Rroma und PoC mit Ihnen Bündnisse gegen Rassismus schließen – obwohl so viele von Ihnen weiß sind.

Zu 10.3) Contra-Rassismus ist keine „politische Positionierung“, die Sie als weiße „einnehmen“ können, kein Abzeichen, das Sie sich einfach selbst anheften können und immer wieder stolz zur Schau tragen können (wie Sie es in Ihrem Statement wiederholt tun). Contra-Rassismus ist keine Eigenschaft, sondern muss immer wieder durch konkrete Taten unter Beweis gestellt werden. Nicht Sie selbst, sondern Schwarze, PoC und Rroma entscheiden dabei, ob Ihr Verhalten tatsächlich contra-rassistisch ist oder nicht.

11. Diese schwierige Gratwanderung zwischen Solidarisierungsmöglichkeit und alltäglicher rassisierender, wie auch geschlechtlicher und sexistischer Differenzerfahrung ist eine Herausforderung, auf die das ZtG noch intensiver als bisher reagieren möchte. Ein Vorschlag für künftige Formen der Auseinandersetzung ist es, ein Forum einzurichten, in dem der Austausch über theoretische und praktische Ansätze der Rassismuskritik einen eigenen Raum bekommt und nicht mehr zeitlich eingeschränkt nur ein Tagesordnungspunkt unter vielen auf einer Sitzung der Gemeinsamen Kommission Geschlechterstudien sein kann. Einen Raum, der, so unsere Hoffnung, das offene Gespräch, den respektvoll ausgetragenen Konflikt und Formen der Solidarisierung ermöglicht sowie zu neuen Forschungen und Praktiken anregt.

Zu 11) „Ein Forum einzurichten, in dem der Austausch über theoretische und praktische Ansätze der Rassismuskritik einen eigenen Raum bekommt“ klingt in unseren Ohren erst mal nach einer guten Idee. Allerdings sind Sie mit diesem Vorschlag bei uns an der falschen Adresse, da unsere Gruppe nur zu dem Zweck existiert, ausgewählte rassistische Vorfälle an der HU öffentlich zu machen. Wie Sie innerhalb des ZtG weiter gegen Rassismus vorgehen können, das sollten Sie am besten mit allen Mitgliedern des ZtG, den Studierenden der Gender Studies und anderen bereits bestehenden rassismuskritischen Initiativen diskutieren. Wir sind dafür nicht die richtigen Ansprechpartner_innen.

Wir sehen diesen Austausch von unserer Seite aus hiermit als beendet an. Wir haben zahlreiche Arbeitsstunden vollkommen unentgeltlich und ohne jede Anerkennung dafür zu erhalten dafür geopfert, Ihnen ausführlich zu erklären, wo Ihr Verhalten aus welchen Gründen rassistisch ist. Leider sind unsere Kapazitäten jetzt mehr als erschöpft. Durch diesen schriftlichen Austausch ist nun auch öffentlich nachvollziehbar, welche Defizite im ZtG, bei Sabine Broeck und bei Ina Kerner in Bezug auf den Abbau von Rassismus sowie in Bezug auf den Umgang mit Kritik an eigenem Rassismus bestehen. Es ist nun an Ihnen, diese Defizite zu beheben.

13.01.2015