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Vorfall an der HU im Juli 2016 / Incident at HU in july 2016

27. Oktober 2016

english version below

Dokumentation rassistischer Vorfälle

Datum: Juli 2016

Uni: Humboldt Universität

Studiengang: Anglistik/Amerikanistik

Kurs: Probevortrag zur W2-Professur Anglistik/Amerikanistik mit Schwerpunkt „Postcolonial Studies“

*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): PoC

 

  1. Darstellung des Vorfalles

*Was ist passiert?

Als Kandidatin auf die W2-Professur hielt die Dozentin einen Vortrag zu Tanika Guptas “Sugar Mummies”. In diesem Vortrag sprach sie von einem Theaterstück über weiße Frauen und schwarze jamaikanische Männer mit ihrer „Analyse“ des Exotischen. Sie löste sich vollkommen davon los, dass sie perfomativ exotisierende und rassistische Gewalt reproduzierte. Sie verwendete auf English das Wort n****r, was sie in Großbuchstaben in ihrer Präsentation abbildete.

Die Dozentin benutzte viele Zitate, in denen sie jamaikanischen Slang/Patois nachahmte. Dialogisch und in wechselnder Stimme las sie von ihrer Präsentation vor, mit graphischen Beschreibungen zu schwarzen Männern und ihren anatomischen und sexuellen Vorzügen.

Eine Anwesende (PoC) sagte leise „das geht schneller als ich den Raum verlassen kann“. Dann kam die Dozentin zu einer Stelle, wo sie in der Stimme der weißen Frau ein Zitat über das Auspeitschen des Mannes vorlas und das n-Wort brüllte.

die besagte Anwesende ist aufgestanden und rausgegangen, ein weißer Studierender kurz danach auch, weil offensichtlich der Vortrag weiterging ohne Unterbrechung. Ich blieb erstmal, um zu sehen, wie es im öffentlichen Gespräch nach dem Vortrag angesprochen wird. Danach hatte die Kommission alleine 25 Minuten mit ihr, bevor wir Studierenden ein Gespräch alleine mit ihr führen konnten.

Hast du dich dazu geäußert?

Ja, aber erst im kleineren Studierendengespräch, wo ich der Dozentin sagte, so geht das nicht an der HU und dass sie keinen Anspruch darauf hat dieses Wort zu benutzen.

Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?

Zwei weiße Studierende unterbrachen mich und ich wurde wegen meiner lauter gewordenen Stimme zurechtgewiesen (tone-policing). Einer davon sagte auch noch, „also nicht alle von uns würden den Raum verlassen wollen [wenn die Dozentin sich rassistisch im Seminar äußern würde]“, weil ich der Dozentin von Machtstrukturen erklärte, dass es in einem Seminar extremer wäre mit Sanktionen für Studierende, die aussteigen und Credit Points verlieren, während es für Zuhörer_innen in einem öffentlichen Vortrag wie eben keine geben würde. Die Dozentin hatte schon im Sommersemester 2015 an der HU Seminare gelehrt und sie wurde von anwesenden weißen Studierenden als Favoritin auf diese W2-Professur genannt.

Wie hast du dich dabei gefühlt?

Wut. Nicht ernstgenommen zu werden als einzige PoC im Raum, da es mindestens 2 jüngeren weißen Studierenden für die W2- Professur nicht darum ging, dass die Dozentin rassistisch ist, sondern ob sie gute Lehrmethoden hat. Persönlich betroffen, da viele von uns Studierenden (PoC und weiße) schon vorher angebracht hatten, wie wichtig eine Professorin of Colour für gerade diese „postkoloniale“ Position ist. Aber es kam dennoch dazu, dass einige der anwesenden weißen Studierenden eine weiße Kandidatin favorisierten, die nicht nur ungeeignet als Mentorin für PoC ist, bei der man z.B. Rassismuserfahrungen an der Universität ansprechen könnte, sondern sie selber rassistische Gewalt reproduziert und dies im Anschluss auch noch leugnet und rechtfertigt.

Was ist danach passiert?

Ich habe den Raum verlassen, weil die anderen weißen Studierenden, die an dem Gespräch mit der Kandidatin teilgenommen haben, sich plötzlich über die angeblich exzellenten didaktischen Methoden von der Dozentin mit ihr unterhalten wollten, als würde sie noch als potenzielle Kandidatin in Frage kommen.

 

  1. Konsequenzen des Vorfalles

Ist es zu einer Intervention gekommen?

Zum Teil. Erst nach dem Vortrag im öffentlichen Gespräch haben sich einige anwesende Professor_innen, Dozent_innen, Studierende geäußert. Danach war ein internes Kommissionsgespräch mit der Dozentin und erst daraufhin ein internes Studierendengespräch mit ihr. Von einem Kommissionsmitglied kam in der öffentlichen Diskussion der erste Kommentar, dass das angesprochen werden muss. In den 4 oder 5 Ansprachen gegen die Dozentin leugnete sie das Problem. Beim ersten Einwurf antwortete sie z.B. nur mit einer abstrakten Analyse der Reaktionen eines Theaterpublikums zu dem Stück und verstand nicht, dass sie hier selber für ihre Vorleseart kritisiert wird.

Wie ist diese verlaufen?

Die Dozentin hat sich jeweils in der Vortragsdiskussion und im Studierendengespräch von der Problematik losgelöst und sich herausgeredet, obwohl sie gleichzeitig betonte, die Theorien von Critical Whiteness und die Problematik des n-Wort, besonders bei weißen Sprechern, zu kennen. Aber sie schien davon auszugehen, dass sie von diesen Theorien nicht selbst betroffen ist und dass sie diese Kritik in ihrem eigenen Verhalten nicht beachten muss.

 

english version

Documentation of a Racist Incident

Date of incident: july 2016

Name of University: Humboldt Universität

Name of Department: Anglistik/Amerikanistik

Name of the class or course in which the incident occurred: candidate’s lecture for the W2-Professur in Anglistik/Amerikanistik with the special focus of “Postcolonial Studies”

*Reported by (political/social position, for example: white, Black, Person of Color): PoC

 

  1. Description of the incident

*What happened?

As one candidate for the W2-Professur position the lecturer presented on Tanika Gupta’s “Sugar Mummies”. Through this play about white women and black Jamaican men, her talk aimed to focus on an “analysis” of the exotic. She entirely detached herself from the fact that she was performing and reproducing exotification and racial violence. She used the word n****r in English, which she depicted in all-caps in her presentation slides. She used several quotes in which she imitated Jamaican slang/patois. In dialogue and in alternating voices she read her paper, with graphic descriptions about black men and their anatomical and sexual prowess.

One attendee (PoC) quietly said “this is happening faster than I can leave the room”. Then the lecturer came to the point where she quoted the white woman about whipping the man and literally roared the n-word.

The aforementioned person stood up and left the room; a white student left right after, since the presentation was continuing without an intervention. I stayed to see how this would be addressed in the public discussion after the presentation. Afterwards the commission had 25 minutes of interview time with her before the students had their own discussion with her.

Did you speak out against the incident?

Yes, but only in a smaller student discussion with her, where I told her that this wasn’t okay at the HU and that she had no right to use this word.

If so, how? What reaction did you get from the perpetrators or other witnesses?

Two white students interrupted me and I was tone-policed for my raised voice. One of them even said “so not all of us would want to leave the room [if the lecturer expressed racial violence in a seminar]”, because I had attempted to explain structures of power. I explained that it would be a more extreme case in a seminar with regard to sanctions for students, if they were to drop out and lose credit points, than it was for attendants of a public lecture like this one had been, where there were no sanctions. The lecturer had previously taught HU seminars during summer semester 2015, and she was named a favourite for the W2-Professur by two white students in this discussion.

How did you feel?

Angry. Not taken seriously as the only PoC in the room, since at least 2 younger white students cared less about the lecturer being racist, than that they believed she had good teaching methods for the W2-Professur. Personally-affected, since a few of us students (PoC and white) had already previously pointed out how a PoC professor would be more significantly appropriate for this “postcolonial” position. Yet instead it came to the point that white students favoured the white candidate, who was not only inappropriate as a mentor for PoC, with whom one could for instance talk about racist experiences at the university, but in fact herself reproduced racial violence and even denied and justified this afterwards.

What happened next?

I left the room, because the other white students that took part in the discussion with the lecturer suddenly wanted to talk about her allegedly excellent didactic methods with her, as if she were still being considered as a potential candidate.

 

  1. Consequences of the incident

Was there an intervention following the incident?

In part. Only after the presentation a few professors, lecturers, and students raised the issue during the public discussion. A private commission discussion followed with the lecturer, and only afterwards there was a private student discussion with her. One member of the commission gave the first comment that this incident needed to be discussed. In the 4 or 5 following comments towards her, the lecturer denied any problem. For the first comment she for instance only replied with an abstract analysis on the reactions of a theatre audience for this play, and she didn’t understand that the criticism was actually being voiced towards her performative reading.

If so, how did it go?

In both the public discussion and the student discussion with her, the lecturer detached herself from the problem at hand and talked her way out of it. Even so, at the same time she emphasized the theories of Critical Whiteness and the problematic nature of the n-word, especially when used by white speakers. However, she seemed to assume that she herself was in no way affected by these theories and that she didn’t have to consider any critique towards her own behaviour.

 

 

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