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Studentenwerk Vorfall August-September 2015

18. Oktober 2015
Hallo Studentenwerk,
 
wir sind UniWatch, eine Berlin-weite, anti-rassistische studentische Gruppe die gegen Rassismus an der Uni agiert. Wir intervenieren wenn es rassistische Vorfälle an der Uni gibt und dokumentieren die Vorfälle um diese (häufigen) Ereignisse sichtbar zu machen und um eine Veränderung des Status quo zu erreichen. Rassismus kommt nicht nur in Form von physischer Gewalt (z.B. Nazi-Angriffe) vor, sondern er manifestiert sich auch durch mentale und sprachliche Gewalt.
 
In weißen akademischen Räumen ist die angebliche Wissenschaftlichkeit und Objektivität das oberste Gesetz – alles wird im Namen der Akademie erlaubt. Rassistische, sexistische, ableistische und klassistische Sprache wird benutzt sofern sie „akademisch“ belegt wird und dieweiße Deutungsmacht dominiert: die weiße Akademie entscheidet was nutzbar ist und was nicht. Das führt zu einer Definitionsmacht und ist eine historische Strategie der Unterdrückung von marginalisierten Menschen und ein Zeichen für die hegemonialen Denkmuster der Universität. Sprache ist nicht getrennt von dieser Realität und fungiert als ein Repräsentationssystem (siehe Stuart Hall). Die Wiederholung von rassistischen Wörtern wie „Schwarzarbeit“ führt zu einer Naturalisierung und Normalisierung dieses Wortes, die Reproduktion wirkt wie eine Legitimation. 
 
Wir wurden darüber informiert, dass Sie den Spruch „Stelle statt Schwarzarbeit“ auf Ihren Jobvermittlungsseite benutzen. Wir wissen auch, dass Sie beschlossen haben diesen arg rassistischen (und allgegenwärtigen) Spruch nicht zu entfernen nachdem eine Studierende Ihnen die diskriminierenden historischen und politischen Wurzeln dieses Wortes erklärt hat. Wir wollten Sie ermutigen das Wort zu ersetzen (zum Beispiel mit „Stelle statt illegaler Arbeit“ oder „Stelle statt prekärer Arbeit“), da das von Ihnen verwendete Wort viele schlechte Konnotationen hat. Wenn Sie es nicht machen wollen, fordern wir Sie auf zu erklären warum Sie diese Entscheidung getroffen haben. Wir haben vor den Email-Verkehr auf unserem Blog zu veröffentlichen.  
 
Es grüßt,
 
AK UniWatch

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Hier die Emailverkehr zwischen die meldende Person und das Studentenwerk:

 

—-Ursprüngliche Nachricht—–

Gesendet: Dienstag, 4. August 2015 15:44

An: Infopoint

Betreff: Hinweis „Schwarzarbeit“

Sehr geehrte Damen und Herren,
auf Ihrer Jobvermittlungsseite befindet sich der Titel „Stelle statt
Schwarzarbeit“. Ich möchte Sie bitten, diese Formulierung zu ändern, da
sie nicht rassismusfrei ist. Nachzulesen gerne unter folgendem Link:

http://www.panafrikanismusforum.net/rassistischen-begriff-schwarzfahren.html

Ein Auszug aus dem Text des genannten Links (zuletzt abgerufen 4.8.15, 15:34 Uhr):
[…]

„Der Begriff „Schwarzfahrer“ als Bezeichnung für unehrliche oder in finanziellen Nöten befindliche Fahrgäste hat keine neutrale Bedeutung, sondern wurzelt in einer über Jahrhunderte tradierten christlich-mythisch konnotierten europäischen Farbsymbolik, die diesen binär gesetzten Farben wiederum bestimmte binäre Eigenschaften zuschreibt und hat von daher – wie viele Begriffe und Konzepte der deutschen Sprache – einen rassistisch konnotierten, ideologischen Hintergrund.

„Schwarzsein“ bzw. „Weißsein“ als jeweils soziale/politische Positionierung (da es erwiesenermaßen keine „Rassen“ gibt, sondern diese eine Erfindung von europäischen „Rassentheoretikern“ ab dem 18.Jh waren) ist ein sehr komplexes Thema. (s. hierzu Studien aus der kritischen Weißseinsforschung)
Durch die rassifizierende Differenzierung und Kategorisierung der Menschheit im Rahmen der vermeintlich wissenschaftlichen „Rassentheorien“, wurden die menschenverachtenden Praktiken des Jahrhunderte währenden transatlantischen Versklavungshandels und die Gewalt des  Kolonialismus  legitimiert. Millionen von Afrikaner_innen fielen diesen Verbrechen zum Opfer.

„Schwarzsein“ bzw. „Schwarze_r zu sein“ ist und war keine Selbst-Bezeichnung der Afrikaner_innen, sondern stellen von außen aufoktroyierte Begrifflichkeiten in Abgrenzung zum eigenen konstruierten Weißsein dar.

Schwarz als Farbempfindung, die beim Fehlen eines Farbreizes entsteht, also als Abwesenheit von Licht jeglicher Wellenlänge, ist mit seinen zahlreichen negativen Bedeutungszusammenhängen wie  z.B.“Schwarzfahren“, Schwarzarbeit, schwarz sehen, schwarzer Peter, “ etc. assoziativ an das Bild von Afrikaner_innen und Menschen afrikanischer Abstammung gekoppelt.“ […]

Über eine Rückmeldung, ob Sie die Änderung vorgenommen haben, freue ich mich. Ich behalten mir vor den Schriftwechsel zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau X

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Am 21.08.2015 um 14:02 schrieb Herr X:
Sehr geehrte Frau X,

vielen Dank für Ihre E-Mail zum Thema „Schwarzarbeit“.

Bei der Verwendung des Begriffes „Schwarzarbeit“ beziehen wir uns auf die Begriffserklärung, die unter Wikipedia mit Bezug auf das Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache zu finden ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzarbeit

Mit freundlichen Grüßen

Herr X

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Sehr geehrter Herr X,

dass Sie sich auf wikipedia bzw. das etymologische Wörterbuch beziehen
mag ja sein, aber ich möchte auch keine Wörter die z.B. im Duden oder
eben auf wikipedia stehen benutzen (und wikipedia unhinterfragt zu
nutzen wird heute schon in der Schule nicht akzeptiert, so weit ich
weiß), wenn sie rassistisch konnotiert sind. Möchten Sie sich damit
nicht auseinandersetzen?

Mit freundlichen Grüßen,
Frau X

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