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Brief von AK UniWatch an die FU wegen rassistischen Stellenanzeiger

6. Juni 2012

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Sehr geehrter xxx,

im Online-Stellenanzeiger der Freien Universität (http://www.fu-berlin.de/service/stellen/st_2012/st_20120528.html) ist uns folgende rassistische Formulierung ins Auge gestochen, die für alle Stellenanzeigen zu gelten scheint:

„Schwerbehinderte werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt.

Die Freie Universität fordert Frauen ausdrücklich zur Bewerbung auf.

Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund, die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen, sind ausdrücklich erwünscht.“

Zunächst stellt sich die Frage, warum ausgerechnet und einzig die Bewerbungen von People of Color/migrantischen Menschen der ersten, zweiten und dritten Generation auf beleidigende Art und Weise eingeschränkt werden. Wenn eine ähnliche Formulierung z.B. für die Merkmalsgruppe Frauen* gewählt worden wäre, wäre sofort offensichtlich, dass es sich in diesem Fall um sexistische Diskriminierung handelt: „Frauen, die den Anforderungen gerecht werden, ….“ wäre in dieser Formulierung in keiner Stellenanzeige zu finden, ohne dass dies Konsequenzen hätte.

Der Vergleich macht deutlich, dass der vermeintliche Einschluss, den die explizite Aufforderung zur Bewerbung von Menschen mit sogenanntem „Migrationshintergrund“ auf den ersten Blick darstellt, in Wirklichkeit eine Barriere und klarer Ausschluss ist. Die Diskriminierung ist eine Versteckte, die bestehende Machtverhältnisse aufrecht erhält, ohne sie sichtbar werden zu lassen – und zugleich ihre Wirkung in der Bestätigung rassistischer Stereotype nicht verfehlt.

Durch die gewählte Formulierung „die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen“ werden Personen of Color/Migrantischen Menschen Mängel und Unfähigkeiten unterstellt. Der eingeschobene Nebensatz produziert und bestätigt ein rassifizierendes Bild als „defizitär“, „fremd“, und „bildungsfern“ und konstruiert weiße Deutsche gleichzeitig als „fähig“ und „hier richtig“. Es findet eine Bestätigung von Deutschsein/Weißsein als Norm und des sogenannten „Migrationshintergrundes“ als „Abnorm“ statt. Die Praxis der Rassifizierung ist weit verbreitet in der weißen deutschen Gesellschaft und damit besonders leicht abrufbar in den Köpfen weißer Deutscher. Die stereotypen Bilder werden mit dieser Formulierung aufrecht erhalten und weiter verbreitet.

Darüber hinaus impliziert die Formulierung, dass PoCs/Migrantische Menschen der ersten, zweiten und dritten Generation „nicht intelligent genug“ sind, selbst aus der Anzeige zu entnehmen, ob sie für die Stelle in in Frage kommen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was mit „Einstellungsvoraussetzungen“ gemeint ist: Jede einzelne der Stellungsausschreibungen im Anzeiger formuliert ihre Voraussetzungen selbst. Der Hinweis an Bewerber_innen of Color, sich nur zu bewerben „wenn sie die Einstellungsvoraussetzungen“ erfüllen ist demnach vollkommen unnötig und funktioniert lediglich als Ausschlußmechanismus. Die Schlussfolgerung, dass damit also etwas direkt Diskriminierendes wie „akzentfreies Deutsch“ etc. gemeint ist, liegt nahe.

Die Formulierung in der Stellenanzeige ist beleidigend und hat eine Marginalisierung von Menschen of Color zur Folge. Auf eventuelle Bewerber_innen of Color hat sie abschreckende Wirkung, die die vermeintliche „ausdrückliche Erwünschtheit“ Lügen straft.

Wir halten es für notwendig, dies anzusprechen und fordern Sie auf, die Formulierung zu ändern und den rassistischen Teil des Satzes („die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen„) zu entfernen. Weiterhin bitten wir Sie um eine diesbezügliche Stellungnahme. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir diesen Schriftverkehr öffentlich führen und zum Zwecke der Dokumentation auf unserer Webseite veröffentlichen.

Es grüßt in Erwartung, der AK UniWatch.*

*Zu Dokumentionszwecken wird der Schriftverkehr zwischen dem AK UniWatch und Ihnen auf unserer Webseite veröffentlicht

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