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Vorfall. Mai 2010 – HU Berlin

18. März 2011

UniWatch – Gegen Rassismus in Unseren Räumen!

Dokumentation rassistischer Vorfälle

Datum: 12.05.2010

Uni: HU-Berlin

Studiengang: Philosophie

Kurs:-

Dozent: –

*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …):

weiß, männlich, zw. 18 und 45 Jahren

1. Darstellung des Vorfalles

*Was ist passiert?

Übungsblatt, das bearbeitet werden sollte, enthielt folgende Aufgabenstellung:

1. Was geht in folgendem induktiven Argument alles schief?

Die meisten Roma, die ich auf meinem Weg zur Arbeit sehe, sind verwahrlost und haben offensichtlich keine Arbeit.

Also ist der Großteil der Roma faul und hat einen Hang zum Schmarotzertum.

Hast du dich dazu geäußert?

Im Kurs habe ich angemerkt, dass dieses Argument aus der Reihe der zuvor genannten deutlich herausfällt; dass es das Gebiet des Erträglichen verlässt; dass dieses Beispiel in eine Reihe mit Beispielen gestellt wird, bei denen der Zustand einer Straße nach bzw. vor Regen reflektiert wird, als ob es keinerlei Unterschiede gäbe; dass durch dieses Beispiel ein bestimmtes Bild von Sinti und Roma reproduziert wird.

Das Gleiche habe ich auch schriftlich bei der Bearbeitung des Arbeitsblattes angemerkt.

Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?

In aller erster Linie Unverständnis. Nur eine weitere Kursteilnehm_erin hat mir zugestimmt und auf die Wirkungsmacht von Sprache hingewiesen, sich dann aber auch wieder aus der Diskussion zurückgezogen. Wahrscheinlich hat sie schneller als ich begriffen, dass die Diskussion in dieser Art und Weise kein Sinn macht. Die anderen Kursteilnehmer haben merkwürdige Beispiele gebracht, z.B. hat eine Person davon gesprochen wie gut es ist, dass wir im Rahmen des Kurses so ein Beispiel besprechen, da die NPD in irgendeinen Landtag eingezogen ist. Es wurden noch andere Dinge gesagt, die ich mir leider nicht gemerkt habe.

Wie hast du dich dabei gefühlt?

Ich war erst überrascht und später sehr wütend darüber wie Sprachwissenschaftler Sprache keine Handlungs- bzw. Wirkungsmacht einräumen können.

Was ist danach passiert?

Der Dozent hat auf meinen schriftlichen Einwand wie folgt reagiert:

„Ich habe das Beispiel genau deswegen gewählt, damit deutlich wird, dass man Argumentationstechniken – die immer an belanglosen Fällen veranschaulicht werden – auch dazu verwenden kann um gegen haarsträubende, rassistische Überlegungen vorzugehen.“

Das klingt erstmal nicht so schlimm, schlimm wird es allerdings, wenn die von dem Dozenten anvisierten Antworten bekannt sind. Diese sind: „(1) Stichprobe zu klein (2) Stichprobe nicht repräsentativ (3) Falsche Übergänge von ’arbeitslos’ zu ’faul’ usw.!“


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