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Fragenkampagne an den Berliner Universitäten

4. Mai 2010

Im Jahr 2010 hat der AK UniWatch eine Kampagne gestartet bei der an den Berliner Unis Plakate mit Fragen aufgehängt wurden. Hier findet ihr Infos zur Idee der Kampagne und die Antworten.

Infos zur Kampagne:

Ziel der Fragen-Kampagne war es einerseits darauf aufmerksam zu machen, dass wir als AK UniWatch mit unserem Blog eine Struktur geschaffen haben um rassistische Vorfälle an der Uni sichtbar zu machen und um Menschen, die Widerstand gegen Rassismus leisten wollen, eine Vernetzungsplattform mit Tipps und Informationen zu bieten.

Andererseits wollten wir mit den Fragen deutlich machen, welches Wissen an den Universitäten nicht oder kaum gelehrt und somit (re)marginalisiert wird: das Wissen von Schwarzen und People of Color. Dagegen wollten wir ein Zeichen setzen und fordern daher:

Mehr Schwarze und PoC-Diskurse sowie Lehrende und Studierende an den Unis! Für eine Entkolonisierung des akademischen Raums!

Und jetzt zu den heiß ersehnten Antworten.

Antwort:

May Ayim war eine afro-deutsche Dichterin, Pädagogin und Aktivistin. 1960 in Hamburg geboren, wuchs sie in Nordrhein- Westfalen in einer Pflegefamilie auf. Sie studierte Pädagogik in Regensburg und absolvierte eine Ausbildung zur Logopädin in Berlin – der Stadt in der sie den größten Teil ihres restlichen Lebens verbrachte.

Sie war lange Zeit sowohl in der Frauenbewegung als auch der Schwarzen Community aktiv und gehörte 1985  zu den GründerInnen des ISD, der Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland. Als Aktivistin und Wissenschaftlerin setzte sie sich mit Rassismus und Kolonialismus auseinander. May Ayim verfasste mehrere international anerkannte Gedichtbände, die sich auch mit diesen Themen aber auch mit vielem mehr beschäftigen, so stammt das oben zu lesende Gedicht aus dem Band „blues in schwarz-weiß.“

Des weiteren war sie Mitherausgeberin und Mitautorin verschiedener Bücher, in „Farbe Bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte „machten May Ayim und andere Autorinnen Afro-deutsche Geschichte sichtbar, und stellten so das weiß imaginierte Selbstbild Deutschlands in Frage.

In späteren Jahren arbeitete May Ayim als Lehrbeauftragte an diversen Berliner Hochschulen, unter anderem auch als Sprachtherapeutin und Studienbeauftragte an der Alice Salomon Hochschule für Sozialarbeit.

Am 9. August 1996 beschloss sie, aus dem Leben zu gehen.

Im Jahr 2004 wurde erstmals der May Ayim Award als erster Schwarzer Deutscher Literaturpreis verliehen, und 2007 beschloss die Bezirksversammlung Friedrichshain- Kreuzberg, das nach einem Kolonialisten benannte Gröbenufer in May-Ayim-Ufer umzubenennen.

Werke:

May Ayim: Blues in Schwarz-Weiß, 3. Auflage, Berlin, Orlanda Frauen Verlag, 1996

May Ayim: Nachtgesang, Berlin, Orlanda Frauen Verlag, 1997

May Ayim: Grenzenlos und unverschämt, Fischer, 2002

K. Oguntoye, M. Opitz, D. Schultz (Hrsg.): Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte, 2. Auflage, Berlin, Orlanda Frauen Verlag, 1991

May Ayim, Bahman Nirumand, José F. A. Oliver (Hrsg.): … aus dem Inneren der Sprache, Internationales Kulturwerk, 1995

Ika Hügel, Chris Lange, May Ayim (Hrsg.): Entfernte Verbindungen. Rassismus, Antisemitismus, Klassenunterdrückung, Berlin, Orlanda Frauen Verlag, 1999

Piesche, P./Küppers, M./Ani, E./Alagiyawanna-Kadalie, A. (Hrsg.): May Ayim Award – Erster internationaler schwarzer deutscher Literaturpreis 2004, Berlin , Orlanda Frauen Verlag, 2004

Antwort:

Der Begriff “Rasse“ taucht im Grundgesetz in Artikel 3 Absatz 3 auf. So wie der Begriff dort verwendet wird, wird die kolonial-rassitische Denktradition Menschen in “Rassen“ einzuteilen und dies als natürliche Gegebenheit darzustellen ,verfestigt.

“Rassen“ gibt es nicht und somit hat der Begriff “Rasse“ auch im Grundgesetz, so wie er dort verwendet wird, nichts verloren. Eine Möglichkeit wäre gewesen “Rasse“ als ein soziales Konstrukt mit realen Auswirkungen zu markieren, d.h. eine Formulierung wie „Niemand darf aufgrund rassistischer Zuordnungen wie “Rasseneinteilungen“ benachteiligt oder, wie im Falle weißer Personen, bevorzugt werden.“ zu verwenden.

Auszug aus dem Grundgesetz:

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Link zu einem Überblicksartikel zu “Rasse“ und Rassismus von ARiC (Antirassistisches Interkulturelles Informationszentrum) Berlin e.V.:

http://ldn-knigi.lib.ru/JUDAICA/Rassebegriff.pdf

Antwort:

Geschenkt? Eher geraubt!

Die Geschichte des Ethnologischen Museums in Dahlem steht in direktem Zusammenhang mit der Gründung der ersten deutschen Kolonien durch den brandenburgischen Kurfürst Friedrich Wilhelm I Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie war als Handelkompanie in den Dreieckshandel zwischen Afrika, Europa und Amerika verwickelt und verschleppte unter unmenschlichsten Bedingungen in weniger als einem halben Jahrhundert 30.000 Afrikaner als Sklaven und übertraf damit zeitweilig die Kolonialmächte Großbritannien und die Niederlande.

Eine erste Sammlung, die später in die Ethnographische Sammlung auf der Museumsinsel eingegliedert wurde, war das Kunst- und Raritätenkabinett der brandenburgischen Kurfürsten, die hier „exotische“ Exponate, die sie auf kolonialen Raubzügen zusammentragen ließen, ausstellten.

Die Betreiber und Leiter des Ethnologischen Museums, das zu den staatlichen Museen Berlins gehört, sprechen jedoch nicht von geraubten oder unrechtmäßig erworbenen Gütern und Ausstellungsstücken sondern von „Erwerbungen“ oder „Schenkungen“. Unter welchen Bedingungen diese „Erwerbungen“ in das Ethnologische Museum gelangten, darüber wird geschwiegen. Durch diese Nicht-Thematisierung wird deutsche Kolonialgeschichte nicht nur geleugnet sondern, indem sich mit geraubten Gütern geschmückt wird, glorifiziert.

Mehr Infos zum Ethnologischen Museum:

http://www.smb.museum/smb/sammlungen/details.php?lang=de&objID=56&p=1

Artikel im Journal Ethnologie:

http://www.journal-ethnologie.de/Deutsch/Schwerpunktthemen/Schwerpunktthemen_2004/Sklaverei/Eingebrannt:_C_AB_C/index.phtml

Antwort:

Kanak Attak versteht sich als „selbstgewählter Zusammenschluss“ von Menschen unabhängig von Pass oder Herkunft. Im Jahr 1998 gegründet, hat sich Kanak Attak zum Ziel gesetzt „die Kanakisierung bestimmter Gruppen von Menschen durch rassistische Zuschreibungen mit allen ihren sozialen, rechtlichen und politischen Folgen anzugreifen“.

Vor diesem Hintergrund steht die Befragung von Bewohner_innen des Stadtteils Köln Lindenthal nach ihrem Leben im weißen Ghetto. Kanak Attak entlarvt damit rassistische Konstruktionen wie, dass Migrant_innen sich abschotten würden und verweigert sich dem weiß-deutschen Begehren nach „authentischem und exotischem Menschenmaterial“, z.B. in Form des Ghetto-Rappers. Stattdessen wird an dem Clip „Weißes Ghetto“ deutlich, dass weiße Deutsche sich abschotten.

Mehr Infos zu Kanak Attak:

Link zum Clip „Weißes Ghetto“:

http://www.kanak-attak.de/ka/kanaktv/volume1.html

Über Kanak Attak:

http://www.kanak-attak.de/ka/about/manif_deu.html

Mehr Infos zu Weißsein

Link zum Glossareintrag „Weißsein“:

https://akuniwatch.wordpress.com/2010/02/26/glossar-weissein/

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