Glossar

GLOSSAR – Weiße Verweigerung

Mit weißer Verweigerung ist die bewusste und unbewusste Strategie weißer Personen gemeint sich nicht mit Rassismus auseinanderzusetzen und die Nicht-Markierung sowie Unsichtbarmachung von Weißsein zu verteidigen. Diese Abwehrhaltung zeigt sich z.B. in oft aggressivem Widerstand und der Umkehrung der Täter_innen-Opfer-Perspektive, wenn Weiße auf ihr rassistisches Verhalten (oder das einer anderen weißen Person wie z.B. des Professors) hingewiesen und mit ihrer privilegierten Position konfrontiert werden. Es handelt sich also um weißen Widerstand gegen den anti-rassistischen Widerstand. Nach Susan Arndt kann er unterschiedliche Muster aufweisen, wie zum Beispiel den Vorwurf der überempfindlichen Reaktionen an die “Anderen”.

Im Kampf gegen Rassismus an der Universität, der sich in den Strukturen, der verwendeten Sprache und im gelehrten Wissen widerspiegelt, kann schon der Protest einer Studentin/eines Studenten große Wellen schlagen und zu einer Sensibilisierung von Dozent_innen und Kommiliton_ innen führen. Kann, ja – muss aber nicht. Denn die Gegenreaktionen auf direkte Kritik, z.B. an der Verwendung von rassistischen Begriffen, fallen mitunter sehr heftig aus. Die Betroffenen und/oder andere kritische Stimmen erfahren dabei häufig persönliche Beleidigungen und Ausgrenzungen, sowohl durch Kommiliton_innen als auch durch Lehrkräfte. Eine wirkliche Auseinandersetzung und Reflexion findet nicht statt. Die Thematisierung von Rassismus wird oft als out of place deklariert und geradezu tabuisiert. Rassismus wird als Diskussionsgegenstand und Analysekategorie durch weiße Verweigerung aus Lehrveranstaltungen verbannt, selbst (oder gerade) dann, wenn es zu konkreten rassistischen Übergriffen im Seminar kommt.

Viele Student_innen trauen sich deshalb erst gar nicht, die Stimme zu erheben, weil sie befürchten, als Einzelne_r einer zahlenmäßig überlegenen unkritischen Studierendenschaft und Dozent_innen gegenüberzustehen und angesichts der Abwehrstrategien machtlos zu sein. People of Color und Schwarzen wird außerdem oft vorgeworfen, sie seien aufgrund ihrer Erfahrungen voreingenommen, emotional und damit unwissenschaftlich in ihrer Argumentation.


Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s