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AK UniWatch – Gegen Rassismus in unseren Räumen!

UniWatch ist ein studentischer Arbeitskreis, der sich gegen Rassismus an deutschen Universitäten engagiert. Mit diesem Blog wollen wir der Unsichtbarkeit dieses Themas entgegenwirken und bilden gleichzeitig eine Plattform zur Vernetzung von Betroffenen und anderen Personen, die rassistische Strukturen und Lehrinhalte im akademischen Raum nicht schweigend hinnehmen wollen.

Auf dieser Seite kannst du …

einen rassistischen Vorfall an deiner Universität melden.

zu uns Kontakt aufnehmen, wenn du bei einer Intervention unterstützt werden möchtest.

herausfinden, welche Anlauftstellen und Organisationen es noch gibt, die bei rassistischen Übergriffen beraten.

dich über Rassismus allgemein und speziell an der Uni, kritische Selbstpositionierung und vieles mehr informieren.

mehr über den AK UniWatch und unsere Arbeit erfahren.

herausfinden wie du uns unterstützen und/oder bei uns mitmachen kannst.

Literaturtipps zu den Themen Rassismus, (kritisches) Weißsein, etc., und Links, u.a. zu Organisationen, die gegen Rassismus kämpfen, finden.

uns per E-Mail kontaktieren, wenn du Anregungen, Fragen oder Wünsche hast.

Aktion gegen AfD Prof Markus Egg (HU)

2. Dezember 2016

Am 8.11.2016 fand in einem Seminar an der HU eine Aktion gegen Professor Markus Egg statt. Egg ist aktives AfD-Mitglied und Koordinator des AfD-Landesfachausschusses für Bildungspolitik. 2016 kandidierte er für die AfD bei den Berlin-Wahlen. Die Fachschaftsinitiative Gender Studies an der HU hat eine Stellungnahme zu der Aktion und zur Präsenz der AfD an der HU geschrieben:

https://genderini.wordpress.com/2016/11/11/statement-zu-prof-markus-egg-afd/

AK UniWatch unterstützt die Stellungnahme der FSI Gender Studies.

DER AK UNIWATCH SUCHT NEUE MITGLIEDER*

7. November 2016
UniWatch  ist ein studentischer Arbeitskreis, der sich gegen Rassismus an deutschen Universitäten engagiert. Wir wollen der Unsichtbarkeit dieses  Themas entgegenwirken und bilden gleichzeitig eine Plattform zur  Vernetzung von Betroffenen und anderen Personen, die rassistische Strukturen und Lehrinhalte im akademischen Raum nicht schweigend hinnehmen wollen.
 
Unsere Strategie heißt Dokumentation – Intervention – Kommunikation.
 
Um als Initiative aktiv und ansprechbar zu bleiben, suchen wir Personen oder Gruppen, die Lust haben den Arbeitskreis mit zu gestalten.
 
AK UniWatch wurde 2009 von Schwarzen, POC und weißen Student_innen gegründet und hatte seitdem immer wechselnde Mitglieder. Nach den letzten Wechseln sind unsere Positionierungen in Bezug auf Rassismus POC, jüdisch und weiß
 
Bitte meldet euch, wenn ihr euch angesprochen fühlt und Lust habt die Initiative mit zu gestalten! 
Dazu wollen wir Euch am 01.12. um 18.30 Uhr zu unserem nächsten Netzwerk-Treffen im Pfeiffers (Oranienstraße 17 in Kreuzberg) einladen. Es gibt viele Gruppen und Individuen, die tolle Arbeit zum Thema Rassismus an der Universität/in der Wissenschaft leisten. Unsere jeweilige Arbeit ist super wichtig und ein kleiner Austausch hier und da könnte uns allen stärken. Wir wollen die Gelegenheit nutzen uns über unsere jeweiligen Themen, Kämpfe, Prozesse, etc. auszutauschen. Wenn Ihr Lust habt, sagt Bescheid.
 
KONTAKT
uni_watch@yahoo.de
 
 

Vorfall an der HU im Juli 2016 / Incident at HU in july 2016

27. Oktober 2016

english version below

Dokumentation rassistischer Vorfälle

Datum: Juli 2016

Uni: Humboldt Universität

Studiengang: Anglistik/Amerikanistik

Kurs: Probevortrag zur W2-Professur Anglistik/Amerikanistik mit Schwerpunkt „Postcolonial Studies“

*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): PoC

 

  1. Darstellung des Vorfalles

*Was ist passiert?

Als Kandidatin auf die W2-Professur hielt die Dozentin einen Vortrag zu Tanika Guptas “Sugar Mummies”. In diesem Vortrag sprach sie von einem Theaterstück über weiße Frauen und schwarze jamaikanische Männer mit ihrer „Analyse“ des Exotischen. Sie löste sich vollkommen davon los, dass sie perfomativ exotisierende und rassistische Gewalt reproduzierte. Sie verwendete auf English das Wort n****r, was sie in Großbuchstaben in ihrer Präsentation abbildete.

Die Dozentin benutzte viele Zitate, in denen sie jamaikanischen Slang/Patois nachahmte. Dialogisch und in wechselnder Stimme las sie von ihrer Präsentation vor, mit graphischen Beschreibungen zu schwarzen Männern und ihren anatomischen und sexuellen Vorzügen.

Eine Anwesende (PoC) sagte leise „das geht schneller als ich den Raum verlassen kann“. Dann kam die Dozentin zu einer Stelle, wo sie in der Stimme der weißen Frau ein Zitat über das Auspeitschen des Mannes vorlas und das n-Wort brüllte.

die besagte Anwesende ist aufgestanden und rausgegangen, ein weißer Studierender kurz danach auch, weil offensichtlich der Vortrag weiterging ohne Unterbrechung. Ich blieb erstmal, um zu sehen, wie es im öffentlichen Gespräch nach dem Vortrag angesprochen wird. Danach hatte die Kommission alleine 25 Minuten mit ihr, bevor wir Studierenden ein Gespräch alleine mit ihr führen konnten.

Hast du dich dazu geäußert?

Ja, aber erst im kleineren Studierendengespräch, wo ich der Dozentin sagte, so geht das nicht an der HU und dass sie keinen Anspruch darauf hat dieses Wort zu benutzen.

Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?

Zwei weiße Studierende unterbrachen mich und ich wurde wegen meiner lauter gewordenen Stimme zurechtgewiesen (tone-policing). Einer davon sagte auch noch, „also nicht alle von uns würden den Raum verlassen wollen [wenn die Dozentin sich rassistisch im Seminar äußern würde]“, weil ich der Dozentin von Machtstrukturen erklärte, dass es in einem Seminar extremer wäre mit Sanktionen für Studierende, die aussteigen und Credit Points verlieren, während es für Zuhörer_innen in einem öffentlichen Vortrag wie eben keine geben würde. Die Dozentin hatte schon im Sommersemester 2015 an der HU Seminare gelehrt und sie wurde von anwesenden weißen Studierenden als Favoritin auf diese W2-Professur genannt.

Wie hast du dich dabei gefühlt?

Wut. Nicht ernstgenommen zu werden als einzige PoC im Raum, da es mindestens 2 jüngeren weißen Studierenden für die W2- Professur nicht darum ging, dass die Dozentin rassistisch ist, sondern ob sie gute Lehrmethoden hat. Persönlich betroffen, da viele von uns Studierenden (PoC und weiße) schon vorher angebracht hatten, wie wichtig eine Professorin of Colour für gerade diese „postkoloniale“ Position ist. Aber es kam dennoch dazu, dass einige der anwesenden weißen Studierenden eine weiße Kandidatin favorisierten, die nicht nur ungeeignet als Mentorin für PoC ist, bei der man z.B. Rassismuserfahrungen an der Universität ansprechen könnte, sondern sie selber rassistische Gewalt reproduziert und dies im Anschluss auch noch leugnet und rechtfertigt.

Was ist danach passiert?

Ich habe den Raum verlassen, weil die anderen weißen Studierenden, die an dem Gespräch mit der Kandidatin teilgenommen haben, sich plötzlich über die angeblich exzellenten didaktischen Methoden von der Dozentin mit ihr unterhalten wollten, als würde sie noch als potenzielle Kandidatin in Frage kommen.

 

  1. Konsequenzen des Vorfalles

Ist es zu einer Intervention gekommen?

Zum Teil. Erst nach dem Vortrag im öffentlichen Gespräch haben sich einige anwesende Professor_innen, Dozent_innen, Studierende geäußert. Danach war ein internes Kommissionsgespräch mit der Dozentin und erst daraufhin ein internes Studierendengespräch mit ihr. Von einem Kommissionsmitglied kam in der öffentlichen Diskussion der erste Kommentar, dass das angesprochen werden muss. In den 4 oder 5 Ansprachen gegen die Dozentin leugnete sie das Problem. Beim ersten Einwurf antwortete sie z.B. nur mit einer abstrakten Analyse der Reaktionen eines Theaterpublikums zu dem Stück und verstand nicht, dass sie hier selber für ihre Vorleseart kritisiert wird.

Wie ist diese verlaufen?

Die Dozentin hat sich jeweils in der Vortragsdiskussion und im Studierendengespräch von der Problematik losgelöst und sich herausgeredet, obwohl sie gleichzeitig betonte, die Theorien von Critical Whiteness und die Problematik des n-Wort, besonders bei weißen Sprechern, zu kennen. Aber sie schien davon auszugehen, dass sie von diesen Theorien nicht selbst betroffen ist und dass sie diese Kritik in ihrem eigenen Verhalten nicht beachten muss.

 

english version

Documentation of a Racist Incident

Date of incident: july 2016

Name of University: Humboldt Universität

Name of Department: Anglistik/Amerikanistik

Name of the class or course in which the incident occurred: candidate’s lecture for the W2-Professur in Anglistik/Amerikanistik with the special focus of “Postcolonial Studies”

*Reported by (political/social position, for example: white, Black, Person of Color): PoC

 

  1. Description of the incident

*What happened?

As one candidate for the W2-Professur position the lecturer presented on Tanika Gupta’s “Sugar Mummies”. Through this play about white women and black Jamaican men, her talk aimed to focus on an “analysis” of the exotic. She entirely detached herself from the fact that she was performing and reproducing exotification and racial violence. She used the word n****r in English, which she depicted in all-caps in her presentation slides. She used several quotes in which she imitated Jamaican slang/patois. In dialogue and in alternating voices she read her paper, with graphic descriptions about black men and their anatomical and sexual prowess.

One attendee (PoC) quietly said “this is happening faster than I can leave the room”. Then the lecturer came to the point where she quoted the white woman about whipping the man and literally roared the n-word.

The aforementioned person stood up and left the room; a white student left right after, since the presentation was continuing without an intervention. I stayed to see how this would be addressed in the public discussion after the presentation. Afterwards the commission had 25 minutes of interview time with her before the students had their own discussion with her.

Did you speak out against the incident?

Yes, but only in a smaller student discussion with her, where I told her that this wasn’t okay at the HU and that she had no right to use this word.

If so, how? What reaction did you get from the perpetrators or other witnesses?

Two white students interrupted me and I was tone-policed for my raised voice. One of them even said “so not all of us would want to leave the room [if the lecturer expressed racial violence in a seminar]”, because I had attempted to explain structures of power. I explained that it would be a more extreme case in a seminar with regard to sanctions for students, if they were to drop out and lose credit points, than it was for attendants of a public lecture like this one had been, where there were no sanctions. The lecturer had previously taught HU seminars during summer semester 2015, and she was named a favourite for the W2-Professur by two white students in this discussion.

How did you feel?

Angry. Not taken seriously as the only PoC in the room, since at least 2 younger white students cared less about the lecturer being racist, than that they believed she had good teaching methods for the W2-Professur. Personally-affected, since a few of us students (PoC and white) had already previously pointed out how a PoC professor would be more significantly appropriate for this “postcolonial” position. Yet instead it came to the point that white students favoured the white candidate, who was not only inappropriate as a mentor for PoC, with whom one could for instance talk about racist experiences at the university, but in fact herself reproduced racial violence and even denied and justified this afterwards.

What happened next?

I left the room, because the other white students that took part in the discussion with the lecturer suddenly wanted to talk about her allegedly excellent didactic methods with her, as if she were still being considered as a potential candidate.

 

  1. Consequences of the incident

Was there an intervention following the incident?

In part. Only after the presentation a few professors, lecturers, and students raised the issue during the public discussion. A private commission discussion followed with the lecturer, and only afterwards there was a private student discussion with her. One member of the commission gave the first comment that this incident needed to be discussed. In the 4 or 5 following comments towards her, the lecturer denied any problem. For the first comment she for instance only replied with an abstract analysis on the reactions of a theatre audience for this play, and she didn’t understand that the criticism was actually being voiced towards her performative reading.

If so, how did it go?

In both the public discussion and the student discussion with her, the lecturer detached herself from the problem at hand and talked her way out of it. Even so, at the same time she emphasized the theories of Critical Whiteness and the problematic nature of the n-word, especially when used by white speakers. However, she seemed to assume that she herself was in no way affected by these theories and that she didn’t have to consider any critique towards her own behaviour.

 

 

AK UniWatch sucht neue Mitglieder*

18. April 2016

english version below

UniWatch ist ein studentischer Arbeitskreis, der sich gegen Rassismus an deutschen Universitäten engagiert. Wir wollen der Unsichtbarkeit dieses Themas entgegenwirken und bilden gleichzeitig eine Plattform zur Vernetzung von Betroffenen und anderen Personen, die rassistische Strukturen und Lehrinhalte im akademischen Raum nicht schweigend hinnehmen wollen.

Der AK UniWatch sucht neue Mitglieder*

Wir suchen POC und Schwarze Personen bzw. Gruppen, die Lust haben den Arbeitskreis neu zu gestalten.
AK UniWatch wurde 2009 von Schwarzen, POC und weißen Student_innen gegründet und hatte seitdem immer wechselnde Mitglieder mit verschiedenen Positionierungen. Momentan sind unsere Positionierungen in Bezug auf Rassismus POC, weiß und weiß-jüdisch. Als Gruppe waren wir einige Zeit mehrheitlich weiß positioniert. Als Anlaufstelle für Personen, die rassistisch diskriminiert werden, fehlten uns als mehrheitlich weiße Gruppe Kompetenzen und Wissen.

Damit UniWatch als antirassistische Initiative handlungsfähig sein kann, muss sich die Zusammensetzung weiter ändern und der Arbeitskreis größer werden.

Bitte meldet euch wenn ihr euch angesprochen fühlt!

Kontakt und Infos:

uni_watch@yahoo.de

english version

UniWatch is a student initiative fighting against racism at German universities.  Our aim is to make the issue visible by building a platform for people negatively impacted by racism and others who can no longer stay silent about the racist structures and teaching materials in our academic spaces.

AK UniWatch needs new members*!

We are looking for POC and Black people or groups who wish to join and reorganize the initiative.
AK UniWatch was founded in 2009 by Black, POC, and white students and has been populated by changing members with different positionings ever since. We currently position ourselves as POC, white and white-Jewish. As a group we were predominantly positioned as white for a period of time. As a predominantly white group we lacked the skills and knowledge to be a competent contact point for people who are discriminated by racism.

In order for UniWatch to be able to act as an anti-racist initiative, the composition needs to continue to change and the initiative needs to grow.

If you feel addressed and are interested please contact us!

Contact and Information:

uni_watch@yahoo.de

GLOSSAR – Politische Selbstpositionierung

15. März 2016

Warum sind politische Selbstpositionierungen wichtig?

Die Kategorien People of Color, Schwarze und Weiße sind als Teil einer Sichtbarmachungs- und Benennungsstrategie von asymmetrischen Machtverhältnissen zu verstehen. Wir als AK UniWatch arbeiten mit diesen sozio-politischen Kategorien, da sie den Alltag jeder Person als Mitglied der (deutschen) Gesellschaft prägen. Mit diesem Konzept erheben wir keinen Anspruch auf universelle Deutungsmacht. Andere Selbstbezeichnungen von Personen (z.B. als ethnisch Minorisierte) wollen wir damit nicht ausschließen.

http://www.migrazine.at/artikel/glossar-der-politischen-selbstbezeichnungen

 

November 2015 – FU Berlin

5. Dezember 2015

Uni: FU Berlin

Studiengang: Romanistik

Kurs: –

Dozent_in: Professor der Sprachwissenschaft

*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): weiß

 

1. Darstellung des Vorfalles

Was ist passiert?

Der Professor hat in einer Vorlesung das N-Wort benutzt, um eine Sprache zu bezeichnen. Anschließend hat er gesagt, das N-Wort sei zwar heute sehr negativ konnotiert, wäre aber dennoch von ihm verwendbar, da es auch mal eine nicht negative Bedeutung hatte bzw. von bestimmten linguistischen Autoren in positiver Konnotation verwendet wurde.

Als ich ihn fragte, ob er nicht meinte, es könnte rassistisch-diskriminierend aufgefasst werden, antwortete er hierauf kurz und knapp: Nein.

Hast du dich dazu geäußert?

Ja, ich habe zunächst durch einen Wortbeitrag interveniert und nach der Vorlesung in einem Gespräch zwischen mir, dem Prof und zwei Kommiliton_innen meine Kritik ausführlich dagelegt. Während dieses Gespräches hat der Prof folgendes gemacht:

  • Mein Verhalten einer ‚Sprachstasi‘ gleichgesetzt.
  • Mir unterstellt, ich hätte keine Ahnung und solle ‚erstmal Literatur lesen‘.
  • Das N-Wort weitere Male gebraucht um seinen Standpunkt zu verdeutlichen.
  • Mich unter anderem als ‚Sophist‘ bezeichnet sowie mich mit anderen pejorativen Sprechhandlungen attackiert.

Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?

Der Professor meinte, er fühle sich zutiefst verletzt, trotzdem wolle er nicht vor irgendeiner Diskussion davon laufen.

Wie hast du dich dabei gefühlt?

Nicht ernst genommen und schlecht.

Was ist danach passiert?

Mir wurde erst zugesagt, zu Beginn der nächsten Vorlesung meinen Standpunkt darlegen zu können. Dies wurde mir dann ohne vorherige Absprache verwehrt. Stattdessen redete der Professor mit mir alleine und als ich meine Enttäuschung über sein Verhalten zum Ausdruck brachte, sagte er laut, es gehe ohnehin nur um ‚eine Kampagne mit dem Ziel ihn zu kompromittieren‘. Dann richtete er sich in etwa mit den Worten an das Auditorium der Vorlesung, dass er eigentlich ‚viel Spannendes und Tolles‘ für heute geplant habe, aber ein Kommilitone unbedingt noch seinen haltlosen Einwand in Bezug auf einen Vorfall, von dem ja wohl alle wüssten, vortragen wolle. Er bat stattdessen die Studierenden sich zu melden, wenn sie meinen Standpunkt hören wollten. Dann hat er folgendes getan:

  • Versucht, sprachwissenschaftlich den Vorwurf der rassistischen Sprechhandlung zu entkräften.
  • Sich gemeinsam mit einem anderen Kommilitonen über mich vor der gesamten Vorlesung lustig gemacht.

Gab es Zeug_innen, die dich unterstützt haben?

Die Mehrzahl der Anwesenden wirkte gelangweilt. Keine Unterstützung.

 

2. Konsequenzen des Vorfalles

Ist es zu einer Intervention gekommen?

Ich habe einen offenen Brief an die Beteiligten des Kurses geschickt.

Wie ist diese verlaufen?

Ich habe zum Teil positive Reaktionen erhalten.

 

 

Studentenwerk Vorfall August-September 2015

18. Oktober 2015
Hallo Studentenwerk,
 
wir sind UniWatch, eine Berlin-weite, anti-rassistische studentische Gruppe die gegen Rassismus an der Uni agiert. Wir intervenieren wenn es rassistische Vorfälle an der Uni gibt und dokumentieren die Vorfälle um diese (häufigen) Ereignisse sichtbar zu machen und um eine Veränderung des Status quo zu erreichen. Rassismus kommt nicht nur in Form von physischer Gewalt (z.B. Nazi-Angriffe) vor, sondern er manifestiert sich auch durch mentale und sprachliche Gewalt.
 
In weißen akademischen Räumen ist die angebliche Wissenschaftlichkeit und Objektivität das oberste Gesetz – alles wird im Namen der Akademie erlaubt. Rassistische, sexistische, ableistische und klassistische Sprache wird benutzt sofern sie „akademisch“ belegt wird und dieweiße Deutungsmacht dominiert: die weiße Akademie entscheidet was nutzbar ist und was nicht. Das führt zu einer Definitionsmacht und ist eine historische Strategie der Unterdrückung von marginalisierten Menschen und ein Zeichen für die hegemonialen Denkmuster der Universität. Sprache ist nicht getrennt von dieser Realität und fungiert als ein Repräsentationssystem (siehe Stuart Hall). Die Wiederholung von rassistischen Wörtern wie „Schwarzarbeit“ führt zu einer Naturalisierung und Normalisierung dieses Wortes, die Reproduktion wirkt wie eine Legitimation. 
 
Wir wurden darüber informiert, dass Sie den Spruch „Stelle statt Schwarzarbeit“ auf Ihren Jobvermittlungsseite benutzen. Wir wissen auch, dass Sie beschlossen haben diesen arg rassistischen (und allgegenwärtigen) Spruch nicht zu entfernen nachdem eine Studierende Ihnen die diskriminierenden historischen und politischen Wurzeln dieses Wortes erklärt hat. Wir wollten Sie ermutigen das Wort zu ersetzen (zum Beispiel mit „Stelle statt illegaler Arbeit“ oder „Stelle statt prekärer Arbeit“), da das von Ihnen verwendete Wort viele schlechte Konnotationen hat. Wenn Sie es nicht machen wollen, fordern wir Sie auf zu erklären warum Sie diese Entscheidung getroffen haben. Wir haben vor den Email-Verkehr auf unserem Blog zu veröffentlichen.  
 
Es grüßt,
 
AK UniWatch

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Hier die Emailverkehr zwischen die meldende Person und das Studentenwerk:

 

—-Ursprüngliche Nachricht—–

Gesendet: Dienstag, 4. August 2015 15:44

An: Infopoint

Betreff: Hinweis „Schwarzarbeit“

Sehr geehrte Damen und Herren,
auf Ihrer Jobvermittlungsseite befindet sich der Titel „Stelle statt
Schwarzarbeit“. Ich möchte Sie bitten, diese Formulierung zu ändern, da
sie nicht rassismusfrei ist. Nachzulesen gerne unter folgendem Link:

http://www.panafrikanismusforum.net/rassistischen-begriff-schwarzfahren.html

Ein Auszug aus dem Text des genannten Links (zuletzt abgerufen 4.8.15, 15:34 Uhr):
[…]

„Der Begriff „Schwarzfahrer“ als Bezeichnung für unehrliche oder in finanziellen Nöten befindliche Fahrgäste hat keine neutrale Bedeutung, sondern wurzelt in einer über Jahrhunderte tradierten christlich-mythisch konnotierten europäischen Farbsymbolik, die diesen binär gesetzten Farben wiederum bestimmte binäre Eigenschaften zuschreibt und hat von daher – wie viele Begriffe und Konzepte der deutschen Sprache – einen rassistisch konnotierten, ideologischen Hintergrund.

„Schwarzsein“ bzw. „Weißsein“ als jeweils soziale/politische Positionierung (da es erwiesenermaßen keine „Rassen“ gibt, sondern diese eine Erfindung von europäischen „Rassentheoretikern“ ab dem 18.Jh waren) ist ein sehr komplexes Thema. (s. hierzu Studien aus der kritischen Weißseinsforschung)
Durch die rassifizierende Differenzierung und Kategorisierung der Menschheit im Rahmen der vermeintlich wissenschaftlichen „Rassentheorien“, wurden die menschenverachtenden Praktiken des Jahrhunderte währenden transatlantischen Versklavungshandels und die Gewalt des  Kolonialismus  legitimiert. Millionen von Afrikaner_innen fielen diesen Verbrechen zum Opfer.

„Schwarzsein“ bzw. „Schwarze_r zu sein“ ist und war keine Selbst-Bezeichnung der Afrikaner_innen, sondern stellen von außen aufoktroyierte Begrifflichkeiten in Abgrenzung zum eigenen konstruierten Weißsein dar.

Schwarz als Farbempfindung, die beim Fehlen eines Farbreizes entsteht, also als Abwesenheit von Licht jeglicher Wellenlänge, ist mit seinen zahlreichen negativen Bedeutungszusammenhängen wie  z.B.“Schwarzfahren“, Schwarzarbeit, schwarz sehen, schwarzer Peter, “ etc. assoziativ an das Bild von Afrikaner_innen und Menschen afrikanischer Abstammung gekoppelt.“ […]

Über eine Rückmeldung, ob Sie die Änderung vorgenommen haben, freue ich mich. Ich behalten mir vor den Schriftwechsel zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Frau X

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Am 21.08.2015 um 14:02 schrieb Herr X:
Sehr geehrte Frau X,

vielen Dank für Ihre E-Mail zum Thema „Schwarzarbeit“.

Bei der Verwendung des Begriffes „Schwarzarbeit“ beziehen wir uns auf die Begriffserklärung, die unter Wikipedia mit Bezug auf das Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache zu finden ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzarbeit

Mit freundlichen Grüßen

Herr X

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Sehr geehrter Herr X,

dass Sie sich auf wikipedia bzw. das etymologische Wörterbuch beziehen
mag ja sein, aber ich möchte auch keine Wörter die z.B. im Duden oder
eben auf wikipedia stehen benutzen (und wikipedia unhinterfragt zu
nutzen wird heute schon in der Schule nicht akzeptiert, so weit ich
weiß), wenn sie rassistisch konnotiert sind. Möchten Sie sich damit
nicht auseinandersetzen?

Mit freundlichen Grüßen,
Frau X