Herzlich willkommen auf dem Blog des AK UniWatch – Gegen Rassismus in unseren Räumen!
UniWatch ist ein studentischer Arbeitskreis, der sich gegen Rassismus an deutschen Universitäten engagiert. Mit diesem Blog wollen wir der Unsichtbarkeit dieses Themas entgegenwirken und bilden gleichzeitig eine Plattform zur Vernetzung von Betroffenen und anderen Personen, die rassistische Strukturen und Lehrinhalte im akademischen Raum nicht schweigend hinnehmen wollen.
Hier gehts zu den Antworten auf unsere Fragenkampagne an den Berliner Universitäten!
Auf dieser Seite kannst du …
… einen rassistischen Vorfall an deiner Universität melden.
… zu uns Kontakt aufnehmen, wenn du bei einer Intervention unterstützt werden möchtest.
… herausfinden, welche Anlauftstellen und Organisationen es noch gibt, die bei rassistischen Übergriffen beraten.
… dich über Rassismus allgemein und speziell an der Uni, kritische Selbstpositionierung und vieles mehr informieren.
… mehr über den AK UniWatch und unsere Arbeit erfahren.
… herausfinden wie du uns unterstützen und/oder bei uns mitmachen kannst.
… Literaturtipps zu den Themen Rassismus, (kritisches) Weißsein, etc., und Links, u.a. zu Organisationen, die gegen Rassismus kämpfen, finden.
… uns per E-Mail kontaktieren, wenn du Anregungen, Fragen oder Wünsche hast.
Dialogrunde zum Rassismus an Berliner Hochschulen und Universitäten
An Examination of Racism in Berlin Academia (german and english)
15. November 2011
17:00 – 19:30 Uhr
In dieser Dialogrunde wird der Frage nachgegangen, welche rassistischen Einschlüsse und Ausschlüsse an Berliner Hochschulen und Universitäten stattfinden: Wer hat das Wort? Worüber wird gesprochen? Wer wird zitiert? Wessen Wissen und Sprache wird anerkannt? Und wer wird dabei ausgeblendet? Welche Formen des Rassismus gehören zum wissenschaftlichen Alltag, auch im Rahmen von so genannten „internationalen“ Studiengängen?
Studierende, Lehrende und alle Interessierten sind zu einem Austausch über ihre Erfahrungen und Perspektiven eingeladen. Dabei wollen wir nicht zuletzt sinnvolle Schritte der Intervention thematisieren.
In this dialogue round, the question of which racist forms of inclusion or exclusion are practiced within Berlin academia will be closely examined. The following questions will be looked into: Who has academic authority? Which topics are discussed? Who is qualified to be cited? Whose expertise and language is academically recognized? Whose expertise is suppressed in the process? What forms of racism are found in the realm of scholars and academia, including „international“ study programs? Lastly, the topic of practical and effective steps toward change will be discussed.
Students, professors and all who are interested in sharing experiences and perspectives are invited to join.
Datum / Date: 15.11.2011
Kontakt / Contact_Yvonne Hylla, Katharina Kersten, Patricia Spina, E-Mail:muriel@zedat.fu-berlin.de
Ort / Place_Migrationsrat Berlin-Brandenburg e. V., Oranienstr. 34, 10999 Berlin
Veranstalter / Organisation_Studierendengruppe des / Student group of the “European Master in Children’s Rights”, FU Berlin
Juli 2011 – FU Berlin
Dokumentation rassistischer Vorfälle
Datum: Juli 2011
Uni: FU Berlin
1 – Mail der Studentin XX an die Dozentin YY:
Am 07.07.2011 02:21, schrieb XX:
Hallo YY,
auf diesem Weg möchte ich nachträglich nochmal Stellung nehmen zu der letzten Sitzung im Seminar „Titel entfernt“ (FU Berlin). Ich bin sehr empört darüber, wie diese abgelaufen ist.
Zunächst scheint es mir respektlos, dass Sie weder wussten oder darauf vorbereitet waren, dass ich in dieser Sitzung mein Referat halten würde (obwohl Sie mir in der Sitzung davor das Material dafür ausgeliehen haben), noch dass Sie meinem Referat aufmerksam gefolgt wären (ständiges SMS-Schreiben).
Inhaltlich:
In meinem Referat sollte ich selbstgewählte Kapitel/Ausschnitte aus dem Buch „Karibische Diaspora in New York“ (Bettina Schmidt) vorstellen. In meinem Vortrag bin ich knapp auf Autorin, generelle Inhalte des Buchs, Forschungsansatz, zentrale Aussagen und Kritik eingegangen.
Meine Kritik an dem Buch bleibt weiterhin bestehen und bezieht sich unter anderem auf folgende Punkte:
- Die Autorin verwendet kolonial-rassistische Fremdbezeichnungen wie „Indianer“ (u.a. S. 24,59).
- Fremdbezeichnungen wie ‘Latinos’ oder ‘Hispanics’ (vgl. S.24) entlarvt die Autorin als nicht selbstgewählt, benutzt diese dann aber weiterhin durchgehend. Dies ist eine koloniale Praxis der Fremdbestimmung. Durch angebliche Repräsentation werden die Subjekte als Objekte konstruiert, die nicht für sich selbst sprechen können. Die weiße europäische Ethnologin maßt es sich an, als ‘Expertin’ über ‘die karibische(n) Kultur(en)’ zu schreiben und diese zu definieren. Dabei geht sie extrem simplifizierend und verallgemeinernd vor und hält es nicht für notwendig, ihre Aussagen zu belegen. Auch dies ist einer der Unterdrückungsmechanismen, die seit der Kolonialzeit von weißen angewendet werden. (vgl. Spivak, Gayatri C. (2007) Can the Subaltern Speak?; Kilomba, Grada. Plantation Memories: Episodes of Everyday Racism (2010).)
- Verallgemeinernde Annahmen über Menschen/Kultur(en)/Gruppen werden ohne Belege und Quellenverweise als Tatsachen dargestellt und verfälscht wiedergegeben. (vgl. S. 24, 23, 15, 61, und andere)
- Die Karibik bzw. Menschen aus der Karibik werden mit „Wildem Denken“ (vgl. S. 23, 61) assoziiert. Damit reproduziert sie aktiv kolonial-rassistische Bezeichnungen von „den Anderen“ als irrational, ‘unzivilisiert’ und letztlich minderwertig. (vgl. Konzepte über die „edlen Wilden“) Allein diese Zitate belegen eine rassistische Grundeinstellung der Autorin.
- „Eine Fahrt durch die U-Bahn in New York gleicht einer Fahrt durch die ethnische Struktur der Stadt. [...] Nun haben die meisten der im Abteil zurückgebliebenen Fahrgäste eine dunkle Hautfarbe. Wir nähern uns Flatbush, Wohnort vieler Migranten aus der Karibik und Stätte ‘Wilden Denkens’.“ (S.23) Dieses Zitat scheint mir besonders problematisch. 1) Die Autorin konstruiert die Karibik als einen homogenen Ort ‘dunkler Hautfarbe’. 2) Als Anthropologin sollte sie wissen, dass es „Hautfarbe“ nicht gibt. 3) Sie rassifiziert die Menschen (vgl. 1). 4) „Ethnische Struktur“ wird in der Bedeutung von „rassischer Struktur“ verwendet, da sie sich hier ausschließlich auf Aussehen bezieht. (Abgesehen davon findet keine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff ‘Ethnie’ im Buch statt.) 5) siehe Kritik zu ‘Wildes Denken’.
Dies sind nur einige wenige der Punkte, die ich an dem Buch stark kritisiere.
Zur Diskussion im Kurs:
Ich fand es erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit und Aggression meine wissenschaftlich belegte Kritik an dem Buch abgelehnt und als unglaubwürdig dargestellt wurde.
- Aufgrund von meiner (wissenschaftlichen!) Kritik am Buch wurde mir vorgeworfen, eigentlich nur meinen eigenen aggressiven ‘Fremdenhass’ unhinterfragt auszuleben. Dabei wurde versucht, meinem Vortrag als ‘emotional’ und ‘übertrieben’ die Legitimität zu nehmen. Ehrlich gesagt fehlen mir die Worte und ich bin immer noch fassungslos, wie diese Aussagen im Kurs stehen gelassen wurden und von Ihnen toleriert und angenommen wurden.
Dass sich einige der weißen Studierenden derart angegriffen fühlten, dass sie meinten persönlich werden zu müssen (obwohl sich die Kritik allein auf Textstellen bezog, die den white-supremacy-Grundton des Buches verdeutlichen) zeigt, dass es an einer kritischen Auseinandersetzung mit weiß-sein auch in der Anthropologie oft fehlt. (vgl. auch Susan Arndt: ‘Weißsein. Die verkannte Strukturkategorie Europas und Deutschlands.’(2005).) Leider haben Sie diese Perspektive während der Diskussion als geltend akzeptiert. (vgl. Schwarzbach-Apithy, Aretha. (2009) Interkulturalität und anti-rassistische Weis(s)heiten an Berliner Universitäten.)
- Einer meiner Kritikpunkte bezog sich auf folgendes Zitat: „- entgegen üblichen Karibik-Studien, die Migranten aus der spanisch-sprachigen Karibik übersehen – [bilden PuertorikanerInnen] einen Schwerpunkt.“ (S. 23)
Darin behauptet die Autorin, dass sie als ‘Pionierin’ neben wenigen anderen zu diesem Thema schreibt. Das stimmt so absolut nicht. Es gibt zahlreiche WissenschaftlerInnen, die zu diesen Themen publiziert haben. (vgl. Silvio Torres-Saillant, Ramona Hernandez, Marysol Asencio, Sherrie Baver, Gabriel Haslip Viera, Frank Moya Pons, Jorge Duany, um nur einige zu nennen) Obwohl ich Referenzen im Seminar nannte, wurde mir auch hier unterstellt zu lügen. Diese persönlichen Angriffe haben Sie noch unterstützt indem Sie die Autorin (Ihre Bekannte!) in Schutz nahmen und wissenschaftlich falsche Aussagen machten, indem Sie behaupteten, die Publizierenden zu dem Thema ließen sich auf drei AutorInnen reduzieren.
Aufgrund der genannten Vorfälle und dem sichtbar gewordenen
unkritischen Umgang mit Lehrtexten und Rassismus im Seminar werde ich an den letzten beiden Sitzungen nicht mehr teilnehmen.
Ich bitte Sie um eine Stellungnahme.
XX
*Zu Dokumentationszwecken wird diese Mail und Ihre Antwort veröffentlicht*
2 – Antwortmail der Dozentin YY
Liebe Frau XX,
vielen Dank für Ihre Mail. Es tut mir und den StudentInnen leid, dass so viele Missverständnisse bestehen und meine StudentInnen bitte Sie nächste Wochwe zu lommen, damit wir alles besprechen können.
Ich hatte mich für meine sms entschuldigt, und tue es hiermit noch einmal. Das haben Sie scheinbar nicht gehört, meine Tochter stand im strömenden regen ohne Schlüssel in leichten Sommerkleidung und benötigte akut Hilfe.
Ich hatte Ihr Referat natürlich nicht vergessen, war aber thematisch noch in der anderen Thematik. Ich war mir auch nicht sicher, ob sie es wirklich halten, da ich kein hand out zu gesendet bekam, wie wir n.m. E. besprochen hatten. Das ist für mich auch ein Zeichen, ob ein Referat gehalten wird.
Den Rest mögen wir mit Ihnen persönlcih besprechen.
Herzliche Grüße
YY
3 – Reaktion der Studentin XX
Hallo Frau YY,
danke, dass Sie mir so schnell auf meine Mail geantwortet haben.
Ich werde am Donnerstag am Seminar teilnehmen. Allerdings gibt es meiner Meinung nach keine ‘Missverständnisse’ zu klären, da die verschiedenen Positionen (und das Verhalten des Kurses) sehr deutlich waren. Ich fände eine Entschuldigung angebracht.
Bis dahin,
XX
4 – Studentin XX zur Intervention im Seminar
Das einzige, wofuer sich YY entschuldigt hatte, war das SMS schreiben im Kurs. Aber das war fuer mich natuerlich nicht der eigentlich wichtige Punkt.
Ich bin dann ins Seminar gegangen, mit Verstaerkung von 2 kompetenten Frauen
und habe dann am Ende 15 Min Zeit fuer meinen „Fall“ bekommen.
Nur eine Person, die sich waehrend meinem Vortrag nicht geaeussert hatte und auch nichts kritisiert hatte, hat sich entschuldigt und versucht die Situation zu entschaerfen. Die anderen haben entweder nichts gesagt oder teilweise die Augen verdreht, ihr Verhalten und das Verhalten anderer gerechtfertigt, etc.
Immerhin war ich nicht allein dort (waere auch nicht mehr allein hingegangen) und danach gings mir schon etwas besser, obwohl die Reaktion der meisten (und der Dozentin!) im Kurs leider sehr hartnaeckig abweisend war. Die Dozentin hat auch alle Kritik abgewiesen und versucht sich zu rechtfertigen, aber immerhin hat sie sich auf die Diskussion eingelassen.
Mai/Juni 2011 – Uni Potsdam
UniWatch – Gegen Rassismus in Unseren Räumen!
Dokumentation rassistischer Vorfälle
Datum: 31.05.2011/01.06.2011
Uni: Potsdam
Studiengang: Politik & Verwaltung
Kurs: –
Dozent_in: –
*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): POC
1. Darstellung des Vorfalles
*Was ist passiert?
In einem verwaltungswissenschaftlichem Text kamen rassistische/ kulturalistische Konzepte vor. Daraufhin habe ich den Dozenten vor der Sitzung angeschrieben.
Hast du dich dazu geäußert?
Ja – ich habe folgende E-Mail verfasst:
—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: XX
Gesendet: Mittwoch, 25. Mai 2011 17:09
An: XX
Betreff: 2 Anmerkungen zum Text
Hallo Herr XX!
Nachdem ich Ihnen nun mein Exzerpt geschickt habe, hätte ich noch 2 Anmerkungen zu besagtem Text „Politische Führung in der Kanzlerdemokratie: die Bundesrepublik Deutschland“ (Henrik Gast, 2010).
Auf S. 110 werden gleich 2 problematische Begriffe benutzt.
In dem Abschnitt wo es um die äußere Erscheinung von Bundeskanzler_innen geht wird folgendes gesagt:
“Bei Adenauer haben seine gerade Haltung, seine Körpergröße und sein “an einen Indianer gemahnende[r] Gesichtsausdruck” – wie Franz Josef Strauß (1989:414) in seinen Erinnerungen festhält “ Respekt eingeflößt.”
Der Begriffs >Indianer< (folgend nur noch I-Wort um eine Reproduktion zu vermeiden) ist stark rassistisch konnotiert und als solcher abzulehnen.
Hierzu einige Gedanken:
Das I-Wort, von Anfang an einer Verwechslung Kolumbus’ geschuldet, ist eine europäische Fremdbezeichnung, welcher die ersten Bewohner_innen des amerikanischen Kontinents in einem homogenisierendem Begriff zu subsumieren sucht. Nicht nur werden so indivuduelle und spezifische Gruppen pauschal homogenisiert sondern gleichzeitig entsteht hier ein Moment der Degradierung und Verzerrung tatsächlicher geschichtlicher Vorkommnisse.
Das I-Wort (auch mit der spanisch- bzw. portugiesisch- oder englischssprachigen Variante) steht für einen “Untermenschenstatus” welche die ersten Bewohner_innen der Amerikas von den Europäer_innen zugeschrieben bekommen haben. Er geht einher mit rassistisch-erniedrigenden Zuschreibungen wie “primitiv”, “unwürdig”, “schmutzig”, “tierähnlich”. Bezüglich der Kolonialgeschichte ist eine solche Fremdzuschreibung erniedrigend und schmerzhaft. Der Moment des Trauma widerholt sich jedes Mal beim Lesen oder Hören dieses Wortes – eine Reihe von (neo-)kolonialen Bildern spielen sich ab.
Im deutschen Kontext wird das I-Wort als Terminologie für ein weißes Fantasiekonstrukt benutzt. Sie gilt der RePräsentation einer Projektionsfläche, welche vor allem durch Romane, Westernfilme und leider auch Wörterbucheinträgen (vgl. aktueller Duden/ Brockhaus/Wahrig) geprägt wurde. Die Europäische Vorstellung geht einher mit einer Exotisierung (z.B. “mutiger Reiter”) und gleichzeitigen Dämonisierung (z.B. blutrünstige Skalpierung) einher – was für rassistische Konstrukte gewöhnlich ist. Der Duden 2007 zeigt weiter I-Geheul, I-Zelt, I-Spiel auf, d.h. hier wird auf in Deutschland existierende Fantasien nicht real existierender Gruppen verwiesen. I.s gibt es nicht, genauso wenig wie den I.-Stamm etc. Dieses Konstrukt geht einher mit biologistischen >Rasse<vorstellung und sogar der Duden beschreibt bestimmte Haarcharakteristika (“glänzend schwarz”) und bestimmte “Hautfarben” (?rötlich brauner bis gelblicher Haut?) als spezifisch für diese imaginäre Gruppe.
Die teilweise Romantisierung und Projektion geht einher mit einem gewalttätigem und wirkungsmächtigem Unterdrückungsbegriff der ähnlich wie das N.-Wort tiefe Wunden hinterlassen hat und immer noch hinterlässt.
Ob bestimmte Gruppen das I.-Wort heute durch eine kollektive Aneignung als Eigenbezeichnung verwenden ist hier nebensächlich, da sich nicht in diesem Kollektiv befindende Menschen nicht einer solchen Begrifflichkeit bedienen dürfen. So würde der emanzipatorische Moment sofort verschwinden. Dass dieser rassistische Begriff nun in einem verwaltungswissenschaftlichen Text zur Beschreibung eines Bundeskanzlers zitiert wird ist stark beschämend.
Weiter wird geschrieben:
“Bei Helmut Schmidt haben seine harte Mimik, sein strenger Haarscheitel und seine gerade Haltung seine disziplin und sein preißisches Pflichtethos auch nach außen unterstrichen.”
Hier würde ich gerne die Frage nach dem “preußischen Pflichtethos” stellen. Ein Satz zuvor wurde eine rassistische Zuschreibung verwendet und nun wird weiter kulturalistisch von einem anscheinend angeborenen “Pflichtethos” gesprochen. Statt Stereotype zu dekonstruieren warden hier kulturalistische Zuschreibungen ReProduziert und verfestigt.
Rassismus ist ein machtvoller Mechanismus der in der Universität durch z.B. Personalpolitiken und Lehrinhalte ReProduziert wird. Mittlerweile gibt es genügend kritische Gruppen die sich mit diesem Thema auseinandersetzten. Z.B. hat sich eine Gruppe von Studierenden unter dem Namen AK UniWatch zum Ziel gemacht Rassismus an der Universität offensiv und direkt zu bekämpfen (http://akuniwatch.wordpress.com/).
An der Uni Potsdam hat sich vor über einem Jahr eine Gruppe von Studierenden zusammengefunden, die, zusammen mit Berliner Studis, rund um die Themen “Migration” und “Rassismus” arbeitet. Momentan findet jeden 2ten Mittwoch um 18h die Veranstaltungsreihe “Postkolonialismus, Rassismus, Kritisches weißSein” in Griebnitzsee statt (http://reclaimsociety.wordpress.com/veranstaltungen/).
Ich würde mich freuen wenn Sie diese problematischen Konzepte im Seminar ansprechen würden und Herrn XX ebenfalls darauf aufmerksam machen. Eine Notiz zur Problematik (und auch warum) von Begriffen in Texten wäre für die Zukunft denkbar.
Mit freundlichen Grüßen,
XX
Literatur
Adibeli Nduka-Agwu/Antje Lann Hornscheidt (Hrsg.) (2010):
Rassismus auf gut Deutsch – Ein kritisches Nachschlagewerk zu
rassistischen Sprachhandlungen, Brandes & Apsel Verlag GmbH, Frankfurt
am Main, S. 140-145 (>Indianer_in<).
Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?
Der Dozent hat fast bis zum Ende der Sitzung absolut nichts zum Text gesagt und dann aus dem Kontext gerissen eine knappe (viell. 3 Min.) Diskussion zum besagtem Text initiiert. Hier haben sich dann die weißen Studierenden (der Kurs ist außer mir absolut weiß) über den „unwissenschaftlichem Stil“ im Text beschwert. Daraufhin hat der Dozent mich angeguckt und gesagt (direktes Zitat): „Seien Sie etwas kritisch was die Texte angeht und glauben Sie nicht alles was dort drinsteht.“ Und dann direkt und etwas leiser zu mir (ich saß in der ersten Reihen): „Das ist ja auch das was Sie meinten.“ Ichhabe nur ungläubig geguckt und dann wurden wir „entlassen“. Der Kurs war zu Ende.
Folgende E-Mail kam dann nach dem Seminar noch dazu:
Quoting Dozent XX
Liebe Frau XX,
ich hatte den Text ja schon in der letzten Sitzung angesprochen, wir haben das Thema und den Text auch auf unserer Lehrstuhlsitzung besprochen. Wir werden uns für die Zukunft um einen anderen Text zum Thema bemühen.
Da der Autor häufig zitiert, sollten Sie aber aufpassen was Sie ihm unterstellen. Die Zitate stellen auch ein wissenschaftliches Mittel dar, ob dieses hier glücklich eingesetzt ist, ist natürlich eine andere Frage. Um seine Intentionen zu erfahren, sollten Sie den Autoren vielleicht direkt anschreiben und Ihre Kritikpunkte mitteilen.
Grüße
XX
Wie hast du dich dabei gefühlt?
Ich habe mich beim Lesen des Textes sehr aufgeregt, beim Schreiben der E-Mail mich sehr gut gefühlt und dann im Seminar total verarscht.
Was ist danach passiert?
Ich habe folgendes zurückgeschickt:
—– Weitergeleitete Nachricht von XX—–
Von: XX
Antwort an: XX
Betreff: Re: AW: 2 Anmerkungen zum Text
An: XX
Hallo Herr XX,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ich werde den Autor versuchen persönlich anzuschreiben und begrüße es, dass Sie – der Lehrstuhl – für kommende Seminare erwägen einen anderen Text zu verwenden.
Mit herzlichen Grüßen,
XX
2. Konsequenzen des Vorfalles
Ist es zu einer Intervention gekommen?
Ich habe die besagte E-Mail geschrieben.
Wie ist diese verlaufen?
Ist abzuwarten ob der Lehrstuhl Verwaltung und Public Policy den Text in Zukunft weiter benutzt.
*Pflichtfelder
Vorfall. Mai 2010 – HU Berlin
UniWatch – Gegen Rassismus in Unseren Räumen!
Dokumentation rassistischer Vorfälle
Datum: 12.05.2010
Uni: HU-Berlin
Studiengang: Philosophie
Kurs:-
Dozent: -
*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …):
weiß, männlich, zw. 18 und 45 Jahren
1. Darstellung des Vorfalles
*Was ist passiert?
Übungsblatt, das bearbeitet werden sollte, enthielt folgende Aufgabenstellung:
1. Was geht in folgendem induktiven Argument alles schief?
Die meisten Roma, die ich auf meinem Weg zur Arbeit sehe, sind verwahrlost und haben offensichtlich keine Arbeit.
Also ist der Großteil der Roma faul und hat einen Hang zum Schmarotzertum.
Hast du dich dazu geäußert?
Im Kurs habe ich angemerkt, dass dieses Argument aus der Reihe der zuvor genannten deutlich herausfällt; dass es das Gebiet des Erträglichen verlässt; dass dieses Beispiel in eine Reihe mit Beispielen gestellt wird, bei denen der Zustand einer Straße nach bzw. vor Regen reflektiert wird, als ob es keinerlei Unterschiede gäbe; dass durch dieses Beispiel ein bestimmtes Bild von Sinti und Roma reproduziert wird.
Das Gleiche habe ich auch schriftlich bei der Bearbeitung des Arbeitsblattes angemerkt.
Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?
In aller erster Linie Unverständnis. Nur eine weitere Kursteilnehm_erin hat mir zugestimmt und auf die Wirkungsmacht von Sprache hingewiesen, sich dann aber auch wieder aus der Diskussion zurückgezogen. Wahrscheinlich hat sie schneller als ich begriffen, dass die Diskussion in dieser Art und Weise kein Sinn macht. Die anderen Kursteilnehmer haben merkwürdige Beispiele gebracht, z.B. hat eine Person davon gesprochen wie gut es ist, dass wir im Rahmen des Kurses so ein Beispiel besprechen, da die NPD in irgendeinen Landtag eingezogen ist. Es wurden noch andere Dinge gesagt, die ich mir leider nicht gemerkt habe.
Wie hast du dich dabei gefühlt?
Ich war erst überrascht und später sehr wütend darüber wie Sprachwissenschaftler Sprache keine Handlungs- bzw. Wirkungsmacht einräumen können.
Was ist danach passiert?
Der Dozent hat auf meinen schriftlichen Einwand wie folgt reagiert:
„Ich habe das Beispiel genau deswegen gewählt, damit deutlich wird, dass man Argumentationstechniken – die immer an belanglosen Fällen veranschaulicht werden – auch dazu verwenden kann um gegen haarsträubende, rassistische Überlegungen vorzugehen.“
Das klingt erstmal nicht so schlimm, schlimm wird es allerdings, wenn die von dem Dozenten anvisierten Antworten bekannt sind. Diese sind: „(1) Stichprobe zu klein (2) Stichprobe nicht repräsentativ (3) Falsche Übergänge von ’arbeitslos’ zu ’faul’ usw.!“
Asta unterstützter Rassismus an der Hamburger Uni und Interventionen, hier die Information dazu
UniWatch – Gegen Rassismus in Unseren Räumen!
Dokumentation rassistischer Vorfälle
Datum: 25.02.2011
Uni: Uni Hamburg
*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): weiß mit „Migrationshintergrund“, Teilnehmerin am Arbeitskreis „Abendplenum“
1. Darstellung des Vorfalles
Was ist passiert?
Siehe hierzu Dokumentation unter: http://www.hwp-netz.de/die-entfremdung-des-asta-von-den-studierenden
2. Konsequenzen des Vorfalles
Ist es zu einer Intervention gekommen?
Siehe hierzu Dokumentation unter: http://www.hwp-netz.de/die-entfremdung-des-asta-von-den-studierenden
09.12. – Yoko Tawada: „Das nackte Auge“
** Lasenkan Theater Berlin Yoko Tawada „Das nackte Auge“ – Kapitel 3: „Tristana“ /Kapitel 4: „The Hunger“ **
Do. 09.12. 20 Uhr
Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestraße 125, 10115 Berlin-Mitte
Es lesen Kei Ichikawa, Kana Torino, Franziska Piesche, Alejandra Langner, Amanda Schütze, Yumiko Saito und Young Kwan Kim
Regie und Percussion Saburo Shimada
Ich-Erzählerin aus Vietnam landet in Paris. Ihr Leben verknüpft sich immer enger mit Filmhandlungen. Kapitel 3: Als ich zum ersten Mal den Film „Tristana“ sah und aus dem Kino auf das nächtliche Trottoir herauskam, sah ich in einer Entfernung von etwa zehn Metern eine vietnamesisch aussehende junge Frau. An ihrer Seite ging ein weißhaariger Mann, wahrscheinlich ein Franzose… „Wo wohnst du?“ … Kapitel 4: Jean trank gerade Tomatensaft. Ai Van ging ins Badezimmer und kam nicht sofort wieder… und ich war fasziniert von der blassen, trocknen Haut seines Handrückens…
Nach der szenischen Lesung laden die Autorin und das Ensemble zur Diskussion ein.
YOKO TAWADA
wurde 1960 in Tokyo/Japan geboren. Seit 1982 lebt sie in Deutschland (seit 2006 in Berlin). Studium der Literaturwissenschaft in Tokyo und in Hamburg. Promotion bei Sigrid Weigel.
Webseite von Yoko Tawada: http://yokotawada.de/
Webseite des Literaturforums im Brecht-Haus: http://www.lfbrecht.de/event/
16.12. – 18.12. – Antirassismustage in Berlin
Dezember 2010 – Universität Potsdam
UniWatch – Gegen Rassismus in Unseren Räumen!
Dokumentation rassistischer Vorfälle
Datum: 08.12.2010
Uni: Uni Potsdam
Studiengang: –
Kurs: –
Dozent_in: –
*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): POC
1. Darstellung des Vorfalles
*Was ist passiert?
Die XX-Vorlesung samt Seminar birgt viel kolonial-rassistisches Potenzial, welches uns jede Woche von neuem gezeigt wird. Wir haben zu dieser Sitzung unter anderem Texte von Oscar Lewis (The Culture of Poverty) und Paul N. Rosenstein-Rodan (The Modernization of Industry) gelesen. Natürlich ist die kapitalistisch/ neo-liberale Einstellung der weißen Herren schon mind. ein guter Grund sie zu kritisieren, aber hinzu kommen auch ihre tief rassistischen Wörter und Konzepte. Bei beiden tauchen mehrmals die Konzepte von „rückständigen“ „primitive people“ auf (bezogen auf bestimmte afrikanische und amerikanische Leute/ Gruppen) und Lewis benutzt auch das N-Wort in dem von 1970 stammenden Text, obwohl er gleich im Anschluss Franz Fanon zitiert.
Zur Vorgeschichte: sowohl in Vorlesung als auch Seminar ist schon mehrmals das I-Wort in der Lektüre gefallen – ohne Kommentar des Dozierenden oder der Studis, neben Konzepten wie „Die Entdeckung Amerikas“ oder die „Professionalisierung“ der Kolonisatoren bezüglich der Ausbeutung der lokalen Bevölkerung der kolonisierten Gebiete (also nichts Neues, sondern lediglich die Weiterführung der vor Ort herrschenden Machtverhältnisse) = Unwahrheit und Geschichtsleugnung.
Hast du dich dazu geäußert?
Ich habe den Kurs auf die kolonial-rassistischen und hier unmarkierten Begriffe und Konzepte aufmerksam gemacht, indem ich die Referent_innengruppe kritisiert habe nicht zu diesen Begriffen Stellung bezogen zu haben.
Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?
Hierauf wurden weitere rassistische und schmerzvolle Begriffe benutzt wie „Naturvölker“ etc. und wurde versucht inhaltlich auf die Kritik einzugehen indem die Modernisierungtheorie weiter verteidigt wurde.
Wie hast du dich dabei gefühlt?
Scheiße. Ich hatte totales Herzrasen (wie jeden Mittwoch in Vorlesung und Seminar) war mir aber sicher mich später wieder besser zu fühlen.
Was ist danach passiert?
Es gab weiter Diskussionen zur Modernisierungstheorie – auf Begrifflichkeiten wurde nicht mehr eingegangen.
2. Konsequenzen des Vorfalles
Ist es zu einer Intervention gekommen?
Ich schon zur zweiten Sitzung (im Oktober) mit einer weißen Kommilitonin ein kritisches Flugblatt in der Vorlesung verteilt, wo wir unter anderem auf das N- und I-Wort eingegangen sind; warum dies eine kolonial-rassistische Fremdbestimmug ist etc.! Dieses Flugblatt werden wir wohl weiter verteilen müssen. Zu einer Intervention gegenüber dem Prof. ist es außer öffentlichen Diskussionen noch nicht gekommen.
Wie ist diese verlaufen?
Das Flugblatt wurde von allen die in den Raum gekommen sind entgegengenommen – mehr kritische Stimmen haben wir bis dato aber nicht gehört.
* Pflichtfelder
Oktober 2010 – FU Berlin
UniWatch – Gegen Rassismus in Unseren Räumen!
Dokumentation rassistischer Vorfälle
Datum: Oktober 2010
Uni: Freie Universität Berlin
Studiengang: Politikwissenschaft
Kurs: —
Dozent_in: —
*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): weiß
1. Darstellung des Vorfalles
*Was ist passiert?
wir haben über bourdieus habitusbegriff (von wegen die sicht eines jeden menschen ist von seiner herkunft bestimmt, class, race, gender etc) und über selbstreflektion geredet (besonders menschen in der wissenschaft müssen ihre position reflektieren, während sie forschen und wissen produzieren). um den begriff „doxa“, der das gegenteil von der selbstreflektion ist, zu erläutern, sollten wir beispiele nennen. dinge, die unreflektiert als „naturgegeben“ in der gesellschaft angenommen sind. da hat eine person sich gemeldet und political correctness gesagt. daraufhin hat ulla angefangen von missouri zu reden und dass es dort UNMÖGLICH sei das n-wort zu sagen (natürlich ausformuliert) und dass das ja hier in deutschland noch etwas anders sei, aber auch nicht zum guten politischen ton gehöre.
Hast du dich dazu geäußert?
Ich konnte im Seminar selbst vor 40 Personen mich nicht äußern, ich musste mich erst mal sammeln. Ich habe ihr eine Email geschrieben:
Sehr geehrte Frau —,
ich habe das Seminar heute mit Wut und Enttäuschung verlassen. Da es mir zu
schwer gefallen wäre vor den 40 Menschen im Raum zu sprechen, habe ich mich
entschieden Ihnen eine Email zu schreiben, hoffe jedoch, dass Sie Stellung
beziehen und ggf. diesen Vorfall in dem Kurs ansprechen. Meiner Meinung
nach, ohne Bourdieu gelesen zu haben, geht es in der Diskussion um
Selbstreflexion auch um die Auseinandersetzung mit der eigenen *race* und
der damit vorbundenen Privilegien bzw. dadurch vorbehaltene Privilegien. Als
heute über *political correctness *als Teil von der Doxa gesprochen wurde
und Sie das Beispiel von Ihren Erfahrungen in Missisippi erzählt haben,
wurde mir und hoffentlich anderen Student_innen, der Atem geraubt. Es gibt
genug Auseinandersetzungen über das N-Wort im deutschsprachigen Raum, aber
anscheinend ist es noch nicht wirklich verbreitet, dass die Communities, die
mit diesem Wort beschimpft und beleidigt werden – die übrings zu den
Menschen gehören, deren Stimmen nicht gehört werden – sich gegen den
Gebrauch des Wortes aussprechen, sei es tatsächlich als Schimpfwort gemeint,
als Witz, oder auch nur als Referenz zu etwas, was in einem anderen Kontext
womöglich von einer anderen Person gesagt wurde. Es ist ein Akt der Gewalt
als weisse Person das Wort auszusprechen, egal in welchem Zusammenhang. Hier
können Sie die Stimmen Schwarzer Personen nachlesen:
http://www.derbraunemob.de/deutsch/index.htm . Ich finde, dass die
Definitionsmacht bei den „Betroffenen“ liegen soll ( was nicht heisst, dass
ich mich nicht selbst sehr „betroffen“ von der deutschen und europäischen
Kolonialgeschichte fühle) . Außerdem fand ich die Bemerkung sehr
unangebracht, es wäre in Amerika UNMÖGLICH das N-Wort auszusprechen, in
Deutschland wäre es ja noch anders. Es ist hier genauso unmöglich, nur
reagieren leider viel zu wenige Menschen auf rassistische Äußerrungen und
versuchen sie eher schön zu reden und zu verharmlosen.
Bis nächste Woche im Seminar,
ein_e enttäuschte_r Student_in
Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?
Sie hat mir eine Email zurück geschrieben:
Liebe Frau …,
ich finde es gut, dass Sie Ihren Ärger und Ihre Enttäuschung – wie Sie schreiben – sofort formuliert und mitgeteilt habe.
Sie schreiben, es sei „ein Akt der Gewalt“, wenn eine weisse Person das „N-Wort“ ausspreche. Ich habe ganz offensichtlich das Problem, auf das ich aufmerksam machen wollte, nicht deutlich machen können.
Dass in Deutschland Schwarze diskriminiert werden und es schwerer haben als Weiße, in dieser Gesellschaft eine Position zu finden, ist ein Faktum. Dieses Problem ist in den USA um Vieles brisanter. Insbesondere in Missouri, dem ärmsten Staat der USA, wo die schwarze Bevölkerung in der Überzahl ist, gibt es bittere Anklagen an den Staat. In New Orleans, wo 2005 der fruchtbare Hurricane Katrina wütete, hat die schwarze Bevölkerung erleben müssen, dass die Hilfsaktionen spät, für einige zu spät kamen und auch nicht ausreichen, um alles Zerstörte wieder aufzubauen. In Kalifornien oder an der Ostküste des Landes wäre das vermutlich anders gelaufen.
Wir hier Deutschland haben vielmehr das Problem mit unseren Mitbürgern, die einen „Migrationshintergrund“ haben. Sagen wir korrekterweise „Migrationshintergrund“? Auch das ist ein Wort, das vielleicht irgendwann zu einem Un-Wort geworden sein wird. Der bekannte Schriftsteller Feridum Zaimoglu sagte kürzlich. Migrationshintergrund sei für ihn ein „hässliches“ Wort, eine „Kopfgeburt“ aus dem Soziologieseminar. Er würde sagen: „Fremddeutscher“ oder Ethnodeutscher“. Feridum Zaimoglu ist heute 45 Jahre alt. Er kam als Baby mit seinen türkischen Eltern aus Anatolien nach Deutschland. Er liebt Deutschland und fühlt sich als Deutscher. Und genau aus diesem Grunde habe ich ein „ungutes“ Gefühl mit dem Wort „Fremddeutscher“, wie er sich selbst benennt. Warum ist ein Mensch, der hier aufgewachsen ist, der die gesellschaftlichen Spielregeln akzeptiert und Deutschland als seine Heimat empfindet, ein „Fremder“ unter uns?
Ich glaube, dass es ein sehr schwieriges Feld ist, das der Political Correctness, und dass die Probleme, die dahinter stecken, auf keinen Fall „nur“ eine Frage der Sprache und Rhetorik sind und auch nicht allein über eine korrekte Sprache gelöst werden. Die „Putzfrauen“, die in unserer Uni jeden Morgen unsere Toiletten und Flure reinigen haben dadurch, dass wir sie korrekt Reinigungskräfte nennen, keine besseren Arbeitsbedingungen, und sie erfahren dadurch auch nicht mehr Anerkennung, gar mehr Respekt ….
Gleichwohl – Sie haben Recht, Sprache ist ein Ausweis unseres Denkens und korrespondiert mit unserem Handeln. Sie ist ein Aspekt unserer sozialen Kompetenz. Aber manchmal ist eine korrekte Sprache auch geeignet, Konflikten aus dem Weg zu gehen und die realen Probleme nicht „anzufassen“. Auch das sollte unserer Aufmerksamkeit nicht entgehen.
Mit freundlichen Grüßen
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PS Sie haben geschrieben, dass Sie dies im Seminar gerne angesprochen haben möchten; sind Sie einverstanden, wenn ich diese unsere Korrespondenz allen Kommilitonen/innen per Mail zukommen lasse?
Ich habe ihr geantwortet.
Wie hast du dich dabei gefühlt?
Es hat mich eine Woche lang extrem belastet. Ich wahr sehr glücklich, dass ich nicht allein war, sondern aus meinem AK und meinem Umfeld Menschen hatte, die mich unterstützt und bestätigt haben, das Richtige zu tun. Ich war vor allem traurig, dass in der Uni es nicht als selbstverständlich gilt, dass gewisse Sachen nicht gesagt werden, das viele Menschen sich keine Gedanken machen.
Was ist danach passiert?
Danach gab es eine 90 minütige Diskussion im Rahmen des nächsten Seminars zu rassistischem Sprachgebrauch. Es waren nicht wenige Menschen in dem Seminar, die meine Meinung geteilt haben und mit diskutiert haben. Es gab auch Äußerungen wie z.B.: „Ich fühle mich von eurem PC-Gehabe unterdrückt, ich will mich so äußern können wie ich will. Eure Diskussion ist total albern.“


