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Herzlich willkommen auf dem Blog des AK UniWatch – Gegen Rassismus in unseren Räumen!
UniWatch ist ein studentischer Arbeitskreis, der sich gegen Rassismus an deutschen Universitäten engagiert. Mit diesem Blog wollen wir der Unsichtbarkeit dieses Themas entgegenwirken und bilden gleichzeitig eine Plattform zur Vernetzung von Betroffenen und anderen Personen, die rassistische Strukturen und Lehrinhalte im akademischen Raum nicht schweigend hinnehmen wollen.
Hier gehts zu den Antworten auf unsere Fragenkampagne an den Berliner Universitäten!
Auf dieser Seite kannst du …
… einen rassistischen Vorfall an deiner Universität melden.
… zu uns Kontakt aufnehmen, wenn du bei einer Intervention unterstützt werden möchtest.
… herausfinden, welche Anlauftstellen und Organisationen es noch gibt, die bei rassistischen Übergriffen beraten.
… dich über Rassismus allgemein und speziell an der Uni, kritische Selbstpositionierung und vieles mehr informieren.
… mehr über den AK UniWatch und unsere Arbeit erfahren.
… herausfinden wie du uns unterstützen und/oder bei uns mitmachen kannst.
… Literaturtipps zu den Themen Rassismus, (kritisches) Weißsein, etc., und Links, u.a. zu Organisationen, die gegen Rassismus kämpfen, finden.
… uns per E-Mail kontaktieren, wenn du Anregungen, Fragen oder Wünsche hast.
Mai 2013 – HU
Datum: 15.05.13
Uni: Humboldt-Universität
Studiengang: –
Kurs: –
Dozent_in:–
*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): weiß
1. Darstellung des Vorfalles
*Was ist passiert?
Ich habe seit längerem bemerkt, dass im Gebäude Dorotheenstraße 24 der HU Berlin im Übergang des 5. zum 6. Stockwerks eine Anti-Semitische rassistische, klassistische Schmiererei an der Treppenhauswand ist. Es ist da nun schon mehrere Wochen. Ich habe auch dem RefRat aktuell geschrieben. Ich habe Fotos davon gemacht (mit meinem Handy ehr schlecht, aber geht). Ich habe auch der HU Verwaltung geschrieben.
Mir ist die Schmiererei schon länger aufgefallen und obwohl ich bei Leuten nach und vor Kursen darauf hingewiesen hab, dass das Antisemitisch, Rassistisch und Klassistisch ist, hat sich bis heute nichts geändert bzw. ich konnte nicht genug Leute mobilisieren (die waren vorwiegend weiß, muss ich sagen). Irgendwie finde ich es symptomatisch und ich als weiß positionierter will da was ändern bzw. euch fragen, ob zumindest die Dokumentation etwas bringt.
Aktuell hat sich die Schmiererei dann doch verändert. Irgendjemensch hat sie durch “Jewish” erweitert und ich hätte heute fast gekotzt.
Hast du dich dazu geäußert?
Ich habe nicht anwesend, als das drangeschmiert wurde, bin halt das Treppenhaus entlanggelaufen und hab die Schmiererei entdeckt. Hab dem Anti-Ra RefRat geschrieben und ein paar Leute darauf hingewiesen, dass das ungeheuerlich, ekelhaft ist und weg muss.
Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?
Bis jetzt nur von euch eine Reaktion bzw. halt Leute aus den von mir besuchten Seminaren haben es auch entdeckt.
Wie hast du dich dabei gefühlt?
Ich hab mich scheiße gefühlt. Ich bin ja nicht rassistisch davon diskriminiert, aber in so’ner ‚weißen‘ Uni und das ist ja nun schon länger dran. Ich hätte kotzen können vor Wut.
Sehr geehrter xxx,
im Online-Stellenanzeiger der Freien Universität (http://www.fu-berlin.de/service/stellen/st_2012/st_20120528.html) ist uns folgende rassistische Formulierung ins Auge gestochen, die für alle Stellenanzeigen zu gelten scheint:
“Schwerbehinderte werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt.
Die Freie Universität fordert Frauen ausdrücklich zur Bewerbung auf.
Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund, die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen, sind ausdrücklich erwünscht.”
Zunächst stellt sich die Frage, warum ausgerechnet und einzig die Bewerbungen von People of Color/migrantischen Menschen der ersten, zweiten und dritten Generation auf beleidigende Art und Weise eingeschränkt werden. Wenn eine ähnliche Formulierung z.B. für die Merkmalsgruppe Frauen* gewählt worden wäre, wäre sofort offensichtlich, dass es sich in diesem Fall um sexistische Diskriminierung handelt: “Frauen, die den Anforderungen gerecht werden, ….” wäre in dieser Formulierung in keiner Stellenanzeige zu finden, ohne dass dies Konsequenzen hätte.
Der Vergleich macht deutlich, dass der vermeintliche Einschluss, den die explizite Aufforderung zur Bewerbung von Menschen mit sogenanntem „Migrationshintergrund“ auf den ersten Blick darstellt, in Wirklichkeit eine Barriere und klarer Ausschluss ist. Die Diskriminierung ist eine Versteckte, die bestehende Machtverhältnisse aufrecht erhält, ohne sie sichtbar werden zu lassen – und zugleich ihre Wirkung in der Bestätigung rassistischer Stereotype nicht verfehlt.
Durch die gewählte Formulierung „die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen“ werden Personen of Color/Migrantischen Menschen Mängel und Unfähigkeiten unterstellt. Der eingeschobene Nebensatz produziert und bestätigt ein rassifizierendes Bild als “defizitär”, “fremd”, und “bildungsfern” und konstruiert weiße Deutsche gleichzeitig als “fähig” und “hier richtig”. Es findet eine Bestätigung von Deutschsein/Weißsein als Norm und des sogenannten “Migrationshintergrundes” als “Abnorm” statt. Die Praxis der Rassifizierung ist weit verbreitet in der weißen deutschen Gesellschaft und damit besonders leicht abrufbar in den Köpfen weißer Deutscher. Die stereotypen Bilder werden mit dieser Formulierung aufrecht erhalten und weiter verbreitet.
Darüber hinaus impliziert die Formulierung, dass PoCs/Migrantische Menschen der ersten, zweiten und dritten Generation “nicht intelligent genug” sind, selbst aus der Anzeige zu entnehmen, ob sie für die Stelle in in Frage kommen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, was mit “Einstellungsvoraussetzungen” gemeint ist: Jede einzelne der Stellungsausschreibungen im Anzeiger formuliert ihre Voraussetzungen selbst. Der Hinweis an Bewerber_innen of Color, sich nur zu bewerben “wenn sie die Einstellungsvoraussetzungen” erfüllen ist demnach vollkommen unnötig und funktioniert lediglich als Ausschlußmechanismus. Die Schlussfolgerung, dass damit also etwas direkt Diskriminierendes wie “akzentfreies Deutsch” etc. gemeint ist, liegt nahe.
Die Formulierung in der Stellenanzeige ist beleidigend und hat eine Marginalisierung von Menschen of Color zur Folge. Auf eventuelle Bewerber_innen of Color hat sie abschreckende Wirkung, die die vermeintliche “ausdrückliche Erwünschtheit” Lügen straft.
Wir halten es für notwendig, dies anzusprechen und fordern Sie auf, die Formulierung zu ändern und den rassistischen Teil des Satzes (“die die Einstellungsvoraussetzungen erfüllen“) zu entfernen. Weiterhin bitten wir Sie um eine diesbezügliche Stellungnahme. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir diesen Schriftverkehr öffentlich führen und zum Zwecke der Dokumentation auf unserer Webseite veröffentlichen.
Es grüßt in Erwartung, der AK UniWatch.*
*Zu Dokumentionszwecken wird der Schriftverkehr zwischen dem AK UniWatch und Ihnen auf unserer Webseite veröffentlicht
AK Uniwatch sucht neue Mitglieder! Wenn du mehr über uns und unsere Arbeit lernen möchtest, dann komm zu unseren nächsten Info-Treffen am Montag, den 4. Juni um 19 Uhr. Das Treffen findet in der Gruppenarbeitsraum 3C der HU Grimmbibliothek statt. Wir freuen uns auf dich!
Rassistische Warnung an der HU
Im Januar wurde AK UniWatch über den rassistischen Gehalt einer Rundmail informiert. Nachfolgend die Nachricht, die UniWatch der Verfasserin der Rundmail daraufhin geschickt hat.
Liebe XX,
am 06.01.2012 ging eine E-Mail von Ihnen über eine Seminarliste, in der Sie vor vermehrten Taschendiebstählen im Grimm-Zentrum warnen.
Eine Leserin der Liste schrieb uns, dem AK UniWatch (www.uniwatch.wordpress.com), eine E-Mail, in der sie uns auf den rassistischen Gehalt Ihrer Warnung aufmerksam machte: In diesem Text blieb es nämlich nicht bei einer allgemeinen Feststellung, vielmehr bedienten Sie sich der Bezeichnung, „nichtdeutscher Herkunft” um über ein Puzzlestück in der vermeintlichen Identität der Täter_innen Aufschluss zu geben.
Was wird durch genannte Wendung nicht erreicht?
Ein Nutzen. Wir haben es mit einer unwichtigen Information zu tun, die nichts zum Rückgang der Taschendiebstähle beitragen wird; viel weniger harmlos ist sie allerdings bezüglich ihres rassistischen Gehalts:
Scheinbar sind Täter_innen rein optisch als „nichtdeutsch” erkennbar, die Konstruktion von deutsch-sein als Eigenschaft, die ausschließlich weißen vorbehalten ist, wird damit bestätigt. Gleichzeitig wird der_die „Fremde” konstruiert, den_die der_die Bibliotheksbesucher_in zukünftig mit erhöhter Wachsamkeit beäugen soll: Ein Aufruf zum racial(izing)-profiling, mit dem ein Klima rassistischer Gewalt geschaffen, bzw. verstärkt wird.
Die Verbindung von Kriminalität und als „Ausländer_innen“ konstruierten Menschen ist dabei ebenso plump wie gefährlich; als Praxis der Rassifizierung des_der „Ausländer_in“ ist sie weit verbreitet in der weißen deutschen Gesellschaft und damit besonders leicht abrufbar in den Köpfen weißer deutscher.
Der Text Ihrer E-Mail reiht sich ein in die Hetze, wie sie schon genug von den Medien betrieben wird. Gewalttätige Paranoia in der Menschen von weißen aus der weißen “Solidargemeinschaft” ausgeschlossen werden, ist ihr Resultat.
Wir halten es für notwendig dies anzusprechen und bitten Sie um eine Stellungnahme.
Es grüßt in Erwartung,
der AK UniWatch
*Zu Dokumentationszwecken wird der Schriftverkehr zwischen dem AK UniWatch und Ihnen veröffentlicht.*
Dialogrunde zum Rassismus an Berliner Hochschulen und Universitäten
An Examination of Racism in Berlin Academia (german and english)
15. November 2011
17:00 – 19:30 Uhr
In dieser Dialogrunde wird der Frage nachgegangen, welche rassistischen Einschlüsse und Ausschlüsse an Berliner Hochschulen und Universitäten stattfinden: Wer hat das Wort? Worüber wird gesprochen? Wer wird zitiert? Wessen Wissen und Sprache wird anerkannt? Und wer wird dabei ausgeblendet? Welche Formen des Rassismus gehören zum wissenschaftlichen Alltag, auch im Rahmen von so genannten “internationalen” Studiengängen?
Studierende, Lehrende und alle Interessierten sind zu einem Austausch über ihre Erfahrungen und Perspektiven eingeladen. Dabei wollen wir nicht zuletzt sinnvolle Schritte der Intervention thematisieren.
In this dialogue round, the question of which racist forms of inclusion or exclusion are practiced within Berlin academia will be closely examined. The following questions will be looked into: Who has academic authority? Which topics are discussed? Who is qualified to be cited? Whose expertise and language is academically recognized? Whose expertise is suppressed in the process? What forms of racism are found in the realm of scholars and academia, including „international“ study programs? Lastly, the topic of practical and effective steps toward change will be discussed.
Students, professors and all who are interested in sharing experiences and perspectives are invited to join.
Datum / Date: 15.11.2011
Kontakt / Contact_Yvonne Hylla, Katharina Kersten, Patricia Spina, E-Mail:muriel@zedat.fu-berlin.de
Ort / Place_Migrationsrat Berlin-Brandenburg e. V., Oranienstr. 34, 10999 Berlin
Veranstalter / Organisation_Studierendengruppe des / Student group of the “European Master in Children’s Rights”, FU Berlin
Juli 2011 – FU Berlin
Dokumentation rassistischer Vorfälle
Datum: Juli 2011
Uni: FU Berlin
1 – Mail der Studentin XX an die Dozentin YY:
Am 07.07.2011 02:21, schrieb XX:
Hallo YY,
auf diesem Weg möchte ich nachträglich nochmal Stellung nehmen zu der letzten Sitzung im Seminar „Titel entfernt“ (FU Berlin). Ich bin sehr empört darüber, wie diese abgelaufen ist.
Zunächst scheint es mir respektlos, dass Sie weder wussten oder darauf vorbereitet waren, dass ich in dieser Sitzung mein Referat halten würde (obwohl Sie mir in der Sitzung davor das Material dafür ausgeliehen haben), noch dass Sie meinem Referat aufmerksam gefolgt wären (ständiges SMS-Schreiben).
Inhaltlich:
In meinem Referat sollte ich selbstgewählte Kapitel/Ausschnitte aus dem Buch “Karibische Diaspora in New York” (Bettina Schmidt) vorstellen. In meinem Vortrag bin ich knapp auf Autorin, generelle Inhalte des Buchs, Forschungsansatz, zentrale Aussagen und Kritik eingegangen.
Meine Kritik an dem Buch bleibt weiterhin bestehen und bezieht sich unter anderem auf folgende Punkte:
- Die Autorin verwendet kolonial-rassistische Fremdbezeichnungen wie “Indianer” (u.a. S. 24,59).
- Fremdbezeichnungen wie ‘Latinos’ oder ‘Hispanics’ (vgl. S.24) entlarvt die Autorin als nicht selbstgewählt, benutzt diese dann aber weiterhin durchgehend. Dies ist eine koloniale Praxis der Fremdbestimmung. Durch angebliche Repräsentation werden die Subjekte als Objekte konstruiert, die nicht für sich selbst sprechen können. Die weiße europäische Ethnologin maßt es sich an, als ‘Expertin’ über ‘die karibische(n) Kultur(en)’ zu schreiben und diese zu definieren. Dabei geht sie extrem simplifizierend und verallgemeinernd vor und hält es nicht für notwendig, ihre Aussagen zu belegen. Auch dies ist einer der Unterdrückungsmechanismen, die seit der Kolonialzeit von weißen angewendet werden. (vgl. Spivak, Gayatri C. (2007) Can the Subaltern Speak?; Kilomba, Grada. Plantation Memories: Episodes of Everyday Racism (2010).)
- Verallgemeinernde Annahmen über Menschen/Kultur(en)/Gruppen werden ohne Belege und Quellenverweise als Tatsachen dargestellt und verfälscht wiedergegeben. (vgl. S. 24, 23, 15, 61, und andere)
- Die Karibik bzw. Menschen aus der Karibik werden mit “Wildem Denken” (vgl. S. 23, 61) assoziiert. Damit reproduziert sie aktiv kolonial-rassistische Bezeichnungen von “den Anderen” als irrational, ‘unzivilisiert’ und letztlich minderwertig. (vgl. Konzepte über die “edlen Wilden”) Allein diese Zitate belegen eine rassistische Grundeinstellung der Autorin.
- “Eine Fahrt durch die U-Bahn in New York gleicht einer Fahrt durch die ethnische Struktur der Stadt. [...] Nun haben die meisten der im Abteil zurückgebliebenen Fahrgäste eine dunkle Hautfarbe. Wir nähern uns Flatbush, Wohnort vieler Migranten aus der Karibik und Stätte ‘Wilden Denkens’.” (S.23) Dieses Zitat scheint mir besonders problematisch. 1) Die Autorin konstruiert die Karibik als einen homogenen Ort ‘dunkler Hautfarbe’. 2) Als Anthropologin sollte sie wissen, dass es “Hautfarbe” nicht gibt. 3) Sie rassifiziert die Menschen (vgl. 1). 4) “Ethnische Struktur” wird in der Bedeutung von “rassischer Struktur” verwendet, da sie sich hier ausschließlich auf Aussehen bezieht. (Abgesehen davon findet keine kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff ‘Ethnie’ im Buch statt.) 5) siehe Kritik zu ‘Wildes Denken’.
Dies sind nur einige wenige der Punkte, die ich an dem Buch stark kritisiere.
Zur Diskussion im Kurs:
Ich fand es erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit und Aggression meine wissenschaftlich belegte Kritik an dem Buch abgelehnt und als unglaubwürdig dargestellt wurde.
- Aufgrund von meiner (wissenschaftlichen!) Kritik am Buch wurde mir vorgeworfen, eigentlich nur meinen eigenen aggressiven ‘Fremdenhass’ unhinterfragt auszuleben. Dabei wurde versucht, meinem Vortrag als ‘emotional’ und ‘übertrieben’ die Legitimität zu nehmen. Ehrlich gesagt fehlen mir die Worte und ich bin immer noch fassungslos, wie diese Aussagen im Kurs stehen gelassen wurden und von Ihnen toleriert und angenommen wurden.
Dass sich einige der weißen Studierenden derart angegriffen fühlten, dass sie meinten persönlich werden zu müssen (obwohl sich die Kritik allein auf Textstellen bezog, die den white-supremacy-Grundton des Buches verdeutlichen) zeigt, dass es an einer kritischen Auseinandersetzung mit weiß-sein auch in der Anthropologie oft fehlt. (vgl. auch Susan Arndt: ‘Weißsein. Die verkannte Strukturkategorie Europas und Deutschlands.’(2005).) Leider haben Sie diese Perspektive während der Diskussion als geltend akzeptiert. (vgl. Schwarzbach-Apithy, Aretha. (2009) Interkulturalität und anti-rassistische Weis(s)heiten an Berliner Universitäten.)
- Einer meiner Kritikpunkte bezog sich auf folgendes Zitat: “- entgegen üblichen Karibik-Studien, die Migranten aus der spanisch-sprachigen Karibik übersehen – [bilden PuertorikanerInnen] einen Schwerpunkt.” (S. 23)
Darin behauptet die Autorin, dass sie als ‘Pionierin’ neben wenigen anderen zu diesem Thema schreibt. Das stimmt so absolut nicht. Es gibt zahlreiche WissenschaftlerInnen, die zu diesen Themen publiziert haben. (vgl. Silvio Torres-Saillant, Ramona Hernandez, Marysol Asencio, Sherrie Baver, Gabriel Haslip Viera, Frank Moya Pons, Jorge Duany, um nur einige zu nennen) Obwohl ich Referenzen im Seminar nannte, wurde mir auch hier unterstellt zu lügen. Diese persönlichen Angriffe haben Sie noch unterstützt indem Sie die Autorin (Ihre Bekannte!) in Schutz nahmen und wissenschaftlich falsche Aussagen machten, indem Sie behaupteten, die Publizierenden zu dem Thema ließen sich auf drei AutorInnen reduzieren.
Aufgrund der genannten Vorfälle und dem sichtbar gewordenen
unkritischen Umgang mit Lehrtexten und Rassismus im Seminar werde ich an den letzten beiden Sitzungen nicht mehr teilnehmen.
Ich bitte Sie um eine Stellungnahme.
XX
*Zu Dokumentationszwecken wird diese Mail und Ihre Antwort veröffentlicht*
2 – Antwortmail der Dozentin YY
Liebe Frau XX,
vielen Dank für Ihre Mail. Es tut mir und den StudentInnen leid, dass so viele Missverständnisse bestehen und meine StudentInnen bitte Sie nächste Wochwe zu lommen, damit wir alles besprechen können.
Ich hatte mich für meine sms entschuldigt, und tue es hiermit noch einmal. Das haben Sie scheinbar nicht gehört, meine Tochter stand im strömenden regen ohne Schlüssel in leichten Sommerkleidung und benötigte akut Hilfe.
Ich hatte Ihr Referat natürlich nicht vergessen, war aber thematisch noch in der anderen Thematik. Ich war mir auch nicht sicher, ob sie es wirklich halten, da ich kein hand out zu gesendet bekam, wie wir n.m. E. besprochen hatten. Das ist für mich auch ein Zeichen, ob ein Referat gehalten wird.
Den Rest mögen wir mit Ihnen persönlcih besprechen.
Herzliche Grüße
YY
3 – Reaktion der Studentin XX
Hallo Frau YY,
danke, dass Sie mir so schnell auf meine Mail geantwortet haben.
Ich werde am Donnerstag am Seminar teilnehmen. Allerdings gibt es meiner Meinung nach keine ‘Missverständnisse’ zu klären, da die verschiedenen Positionen (und das Verhalten des Kurses) sehr deutlich waren. Ich fände eine Entschuldigung angebracht.
Bis dahin,
XX
4 – Studentin XX zur Intervention im Seminar
Das einzige, wofuer sich YY entschuldigt hatte, war das SMS schreiben im Kurs. Aber das war fuer mich natuerlich nicht der eigentlich wichtige Punkt.
Ich bin dann ins Seminar gegangen, mit Verstaerkung von 2 kompetenten Frauen
und habe dann am Ende 15 Min Zeit fuer meinen “Fall” bekommen.
Nur eine Person, die sich waehrend meinem Vortrag nicht geaeussert hatte und auch nichts kritisiert hatte, hat sich entschuldigt und versucht die Situation zu entschaerfen. Die anderen haben entweder nichts gesagt oder teilweise die Augen verdreht, ihr Verhalten und das Verhalten anderer gerechtfertigt, etc.
Immerhin war ich nicht allein dort (waere auch nicht mehr allein hingegangen) und danach gings mir schon etwas besser, obwohl die Reaktion der meisten (und der Dozentin!) im Kurs leider sehr hartnaeckig abweisend war. Die Dozentin hat auch alle Kritik abgewiesen und versucht sich zu rechtfertigen, aber immerhin hat sie sich auf die Diskussion eingelassen.
Mai/Juni 2011 – Uni Potsdam
UniWatch – Gegen Rassismus in Unseren Räumen!
Dokumentation rassistischer Vorfälle
Datum: 31.05.2011/01.06.2011
Uni: Potsdam
Studiengang: Politik & Verwaltung
Kurs: –
Dozent_in: –
*gemeldet von (politische Positionierung, z.B. POC, Schwarz, weiß, …): POC
1. Darstellung des Vorfalles
*Was ist passiert?
In einem verwaltungswissenschaftlichem Text kamen rassistische/ kulturalistische Konzepte vor. Daraufhin habe ich den Dozenten vor der Sitzung angeschrieben.
Hast du dich dazu geäußert?
Ja – ich habe folgende E-Mail verfasst:
—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: XX
Gesendet: Mittwoch, 25. Mai 2011 17:09
An: XX
Betreff: 2 Anmerkungen zum Text
Hallo Herr XX!
Nachdem ich Ihnen nun mein Exzerpt geschickt habe, hätte ich noch 2 Anmerkungen zu besagtem Text “Politische Führung in der Kanzlerdemokratie: die Bundesrepublik Deutschland” (Henrik Gast, 2010).
Auf S. 110 werden gleich 2 problematische Begriffe benutzt.
In dem Abschnitt wo es um die äußere Erscheinung von Bundeskanzler_innen geht wird folgendes gesagt:
“Bei Adenauer haben seine gerade Haltung, seine Körpergröße und sein “an einen Indianer gemahnende[r] Gesichtsausdruck” – wie Franz Josef Strauß (1989:414) in seinen Erinnerungen festhält “ Respekt eingeflößt.”
Der Begriffs >Indianer< (folgend nur noch I-Wort um eine Reproduktion zu vermeiden) ist stark rassistisch konnotiert und als solcher abzulehnen.
Hierzu einige Gedanken:
Das I-Wort, von Anfang an einer Verwechslung Kolumbus’ geschuldet, ist eine europäische Fremdbezeichnung, welcher die ersten Bewohner_innen des amerikanischen Kontinents in einem homogenisierendem Begriff zu subsumieren sucht. Nicht nur werden so indivuduelle und spezifische Gruppen pauschal homogenisiert sondern gleichzeitig entsteht hier ein Moment der Degradierung und Verzerrung tatsächlicher geschichtlicher Vorkommnisse.
Das I-Wort (auch mit der spanisch- bzw. portugiesisch- oder englischssprachigen Variante) steht für einen “Untermenschenstatus” welche die ersten Bewohner_innen der Amerikas von den Europäer_innen zugeschrieben bekommen haben. Er geht einher mit rassistisch-erniedrigenden Zuschreibungen wie “primitiv”, “unwürdig”, “schmutzig”, “tierähnlich”. Bezüglich der Kolonialgeschichte ist eine solche Fremdzuschreibung erniedrigend und schmerzhaft. Der Moment des Trauma widerholt sich jedes Mal beim Lesen oder Hören dieses Wortes – eine Reihe von (neo-)kolonialen Bildern spielen sich ab.
Im deutschen Kontext wird das I-Wort als Terminologie für ein weißes Fantasiekonstrukt benutzt. Sie gilt der RePräsentation einer Projektionsfläche, welche vor allem durch Romane, Westernfilme und leider auch Wörterbucheinträgen (vgl. aktueller Duden/ Brockhaus/Wahrig) geprägt wurde. Die Europäische Vorstellung geht einher mit einer Exotisierung (z.B. “mutiger Reiter”) und gleichzeitigen Dämonisierung (z.B. blutrünstige Skalpierung) einher – was für rassistische Konstrukte gewöhnlich ist. Der Duden 2007 zeigt weiter I-Geheul, I-Zelt, I-Spiel auf, d.h. hier wird auf in Deutschland existierende Fantasien nicht real existierender Gruppen verwiesen. I.s gibt es nicht, genauso wenig wie den I.-Stamm etc. Dieses Konstrukt geht einher mit biologistischen >Rasse<vorstellung und sogar der Duden beschreibt bestimmte Haarcharakteristika (“glänzend schwarz”) und bestimmte “Hautfarben” (?rötlich brauner bis gelblicher Haut?) als spezifisch für diese imaginäre Gruppe.
Die teilweise Romantisierung und Projektion geht einher mit einem gewalttätigem und wirkungsmächtigem Unterdrückungsbegriff der ähnlich wie das N.-Wort tiefe Wunden hinterlassen hat und immer noch hinterlässt.
Ob bestimmte Gruppen das I.-Wort heute durch eine kollektive Aneignung als Eigenbezeichnung verwenden ist hier nebensächlich, da sich nicht in diesem Kollektiv befindende Menschen nicht einer solchen Begrifflichkeit bedienen dürfen. So würde der emanzipatorische Moment sofort verschwinden. Dass dieser rassistische Begriff nun in einem verwaltungswissenschaftlichen Text zur Beschreibung eines Bundeskanzlers zitiert wird ist stark beschämend.
Weiter wird geschrieben:
“Bei Helmut Schmidt haben seine harte Mimik, sein strenger Haarscheitel und seine gerade Haltung seine disziplin und sein preißisches Pflichtethos auch nach außen unterstrichen.”
Hier würde ich gerne die Frage nach dem “preußischen Pflichtethos” stellen. Ein Satz zuvor wurde eine rassistische Zuschreibung verwendet und nun wird weiter kulturalistisch von einem anscheinend angeborenen “Pflichtethos” gesprochen. Statt Stereotype zu dekonstruieren warden hier kulturalistische Zuschreibungen ReProduziert und verfestigt.
Rassismus ist ein machtvoller Mechanismus der in der Universität durch z.B. Personalpolitiken und Lehrinhalte ReProduziert wird. Mittlerweile gibt es genügend kritische Gruppen die sich mit diesem Thema auseinandersetzten. Z.B. hat sich eine Gruppe von Studierenden unter dem Namen AK UniWatch zum Ziel gemacht Rassismus an der Universität offensiv und direkt zu bekämpfen (http://akuniwatch.wordpress.com/).
An der Uni Potsdam hat sich vor über einem Jahr eine Gruppe von Studierenden zusammengefunden, die, zusammen mit Berliner Studis, rund um die Themen “Migration” und “Rassismus” arbeitet. Momentan findet jeden 2ten Mittwoch um 18h die Veranstaltungsreihe “Postkolonialismus, Rassismus, Kritisches weißSein” in Griebnitzsee statt (http://reclaimsociety.wordpress.com/veranstaltungen/).
Ich würde mich freuen wenn Sie diese problematischen Konzepte im Seminar ansprechen würden und Herrn XX ebenfalls darauf aufmerksam machen. Eine Notiz zur Problematik (und auch warum) von Begriffen in Texten wäre für die Zukunft denkbar.
Mit freundlichen Grüßen,
XX
Literatur
Adibeli Nduka-Agwu/Antje Lann Hornscheidt (Hrsg.) (2010):
Rassismus auf gut Deutsch – Ein kritisches Nachschlagewerk zu
rassistischen Sprachhandlungen, Brandes & Apsel Verlag GmbH, Frankfurt
am Main, S. 140-145 (>Indianer_in<).
Welche Reaktionen hast du dazu erhalten?
Der Dozent hat fast bis zum Ende der Sitzung absolut nichts zum Text gesagt und dann aus dem Kontext gerissen eine knappe (viell. 3 Min.) Diskussion zum besagtem Text initiiert. Hier haben sich dann die weißen Studierenden (der Kurs ist außer mir absolut weiß) über den „unwissenschaftlichem Stil“ im Text beschwert. Daraufhin hat der Dozent mich angeguckt und gesagt (direktes Zitat): „Seien Sie etwas kritisch was die Texte angeht und glauben Sie nicht alles was dort drinsteht.“ Und dann direkt und etwas leiser zu mir (ich saß in der ersten Reihen): „Das ist ja auch das was Sie meinten.“ Ichhabe nur ungläubig geguckt und dann wurden wir „entlassen“. Der Kurs war zu Ende.
Folgende E-Mail kam dann nach dem Seminar noch dazu:
Quoting Dozent XX
Liebe Frau XX,
ich hatte den Text ja schon in der letzten Sitzung angesprochen, wir haben das Thema und den Text auch auf unserer Lehrstuhlsitzung besprochen. Wir werden uns für die Zukunft um einen anderen Text zum Thema bemühen.
Da der Autor häufig zitiert, sollten Sie aber aufpassen was Sie ihm unterstellen. Die Zitate stellen auch ein wissenschaftliches Mittel dar, ob dieses hier glücklich eingesetzt ist, ist natürlich eine andere Frage. Um seine Intentionen zu erfahren, sollten Sie den Autoren vielleicht direkt anschreiben und Ihre Kritikpunkte mitteilen.
Grüße
XX
Wie hast du dich dabei gefühlt?
Ich habe mich beim Lesen des Textes sehr aufgeregt, beim Schreiben der E-Mail mich sehr gut gefühlt und dann im Seminar total verarscht.
Was ist danach passiert?
Ich habe folgendes zurückgeschickt:
—– Weitergeleitete Nachricht von XX—–
Von: XX
Antwort an: XX
Betreff: Re: AW: 2 Anmerkungen zum Text
An: XX
Hallo Herr XX,
vielen Dank für Ihre Antwort. Ich werde den Autor versuchen persönlich anzuschreiben und begrüße es, dass Sie – der Lehrstuhl – für kommende Seminare erwägen einen anderen Text zu verwenden.
Mit herzlichen Grüßen,
XX
2. Konsequenzen des Vorfalles
Ist es zu einer Intervention gekommen?
Ich habe die besagte E-Mail geschrieben.
Wie ist diese verlaufen?
Ist abzuwarten ob der Lehrstuhl Verwaltung und Public Policy den Text in Zukunft weiter benutzt.
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